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Minza
Mittwoch, 19. September 2007, 19:16
Um was geht es euch beim Erschaffen eurer Charaktere?
Und wie baut ihr diese Charakere dann letztendlich auf?

Geht es euch um ein Gefühl, eine Grundidee der Figur oder ist das Auswürfeln bzw Verteilen der Werte eure erste Aktion in diesem Prozess? Laßt ihr euch von anderen Figuren aus der Literatur oder dem Kino inspirieren oder bringt ihr sprichwörtlich eure Träume zu Papier?
Ist die Psyche des Charakters mit all seinen möglichen Windungen und Aspekten im Vordergrund oder sind euch die Fähigkeiten oder sogar Hab und Gut wichtiger?

Worauf kommt es euch an... was sind eure Schwerpunkte?

Ich bin gespannt ^^

chaotic
Mittwoch, 19. September 2007, 21:00
Es kommt auf den Charakter und das System an.
Meinen Lieblingscharakter in D&D hab ich mir zur Umgebung passend gemacht. Der Charakter wurde als Begleitung eines Jagdtruppes in Gefangenschaft von der restlichen Gruppe gefunden. Daher war klar, dass der Charakter eine Klasse ist, welche sich als Jäger und Spurensucher eignet, und die Rasse und Herkunft waren auch schon vorgegeben. Es hat sehr viel Spass gemacht, mir die Psyche des Charakters auszudenken.
Bei meinen anderen D&D-Charakteren hab ich mir auch zuerst die Klasse und die Rasse ausgesucht, und dann versucht, dieses Konzept auf meinen Wunschcharakter zurechtzubiegen.

Bei der SR-Charakter-Erstellung gehe ich etwas anders vor. Da hab ich ein (grobes) Bild im Kopf, was der Charakter können soll, also welche Fertigkeiten/Ausrüstung er haben soll. Manchmal auch schon Ideen zu psychischen Eigenheiten, aber noch kein fertiges Bild, wie der Charakter denken und fühlen soll. Im zweiten Schritt passe ich diese Vorstellung dann an das an, was mir das System bietet. Die Psyche des Charakters denke ich mir stückweise aus, wenn ich ihm die Fertigkeiten gebe, vor allem die Wissensfertigkeiten hängen stark von den Hobbies des Charakters ab.

Minza
Mittwoch, 19. September 2007, 21:29
Ich benötige zuerst ein Gefühl... eine Emotion oder eine Szene, die ich dann ausweite und mit einer Geschichte hinterlege. Oftmals kommt dieses Gefühl aus einer Szene in einem Buch, aus einem Lied oder sogar aus einem Traum.
Dieses Gefühl wird dann von mir ein bisschen durchgeknetet und analysiert, mit passenden Details ausgekleidet und verbunden.

Zu 98% klappt das auch ganz prima, auch wenn ich bei Shadowrun oftmals die ganzen Skills erstmal durchsuchen muß, bevor ich wirklich weiß, was genau der Charakter kann. In anderen Systemen kann ich das schon davor und vergebe dann die Skills nach der Idee.

Kleine Anekdoten und Kurzgeschichten über das Leben dieses Charakters bauen das ganze dann noch aus und geben sowohl mir, als auch meinen Mitspielern ein gewisses Gefühl für diese Figur. Und wenn es nur eine Seite lang ist...

Klappt eigentlich immer recht gut... nur derzeit überlege ich schon einige Monate über einen Ghul Straßensam (Shadowrun) nach und irgendwie fehlt mir da der gewisse letzte Punkt, der mich zum Charaktererschaffen bewegt... ich hab das Gefühl noch nicht so ganz, kann mich noch nicht in ihre Psyche versetzen. Erst wenn ich das habe, kann ich mit den Werten anfangen. Vielleicht sollte ich mir ja mal speziell ein paar Lieder anhören, um die benötigte Stimmung einzufangen... Mutter von Rammstein vielleicht? *hrhr*

yennico
Donnerstag, 20. September 2007, 00:34
Bei mir geht es ähnlich wie chaotic. Nicht nur der Character und das System beeinflussen die Charactererschaffung, sondern auch die entsprechende Spielrunde und deren Spielstil.

Wenn ich mal keine Idee oder kein konkretes Characterknzept habe, schaue ich was die Gruppe noch brauchen könnte und bastele dann einen solchen PC.
Was nützt einem die beste Grundidee, wenn ich den PC in der Runde nicht spielen kann/darf (z.B. es gibt in einem RPG mit Klassen schon einen anderen Spieler, der diese Klasse spielen will).

Für z.B. eine Hack ´n Slay Runde ist die Grundidee bzw. Hinterungrundsgeschichte auch eher unerheblich.

Nitewolf
Donnerstag, 20. September 2007, 16:09
Ich benötige zuerst ein Gefühl... eine Emotion oder eine Szene, die ich dann ausweite und mit einer Geschichte hinterlege. Oftmals kommt dieses Gefühl aus einer Szene in einem Buch, aus einem Lied oder sogar aus einem Traum.
Dieses Gefühl wird dann von mir ein bisschen durchgeknetet und analysiert, mit passenden Details ausgekleidet und verbunden.

Was für eine perfekt weibliche Antwort =)

Mir sind Charakter und Werte eines Chars eigentlich gleich wichtig. Ein Char ohne Persönlichkeit ist auf dauer langweilig, ein Char, der sein Handwerk nicht beherrscht ebenso (finde ich jedenfalls). Selbst wenn die Werte dann im Spiel kaum zu tragen kommen, es ist einfach ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man's im Ernstfall drauf hat - wie im richtigen Leben :P

Was die Entstehung angeht, steht bei mir an Anfang meist ne grobe Vorstellung vom Flair der Chars (kann durch alles mögliche inspiriert sein), Settingabhängig suche ich dann dazu passende Rasse/Klasse aus. Werte ergeben sich dann meist automatisch. Am Schluss steht die Frage, wie genau so jemand drauf ist und, was er für nen Background hat.
Manchmal fällt mir auch gar nix ein und ich bau mir nen 08/15-Kämpfer und hoffe, dass er sich im Laufe des Spiels mit Leben füllt ;)

Und manchmal läuft's auch ganz anders. Einer meiner Chars war ursprünglich ein NPC, den wir in einem Abenteuer befreit haben. Die Party fand sie so süß, dass sie sie unbedingt mitnehmen wollten, da hab ich sie als PC übernommen. Und inzwischen ist sie aus allen Chars, die ich je gespielt habe, mein Favourite - so kann's gehn.

Ronin
Donnerstag, 20. September 2007, 16:31
Kommt auf das System an.

In DnD baue ich mir einen Charakter nach dem was er können soll zusammen.

In Shadowrun überleg ich mir, was alles so Spaß macht - und baue mir einen Charakter der genau das macht/kann ;)

Minza
Donnerstag, 20. September 2007, 19:11
Bei uns kommt es nicht so oft vor, daß wir einen Charakter nur für ein Abenteuer kreieren. Eigentlich garnicht... das könnte ich auch nicht spielen. Ich will in einem Charakter aufgehen und ihn miterleben, nicht nach einer kleinen Geschichte wieder fallen lassen.

Und dazu kommt, daß wir unsere Gruppen so aufbauen, daß auch mal zwei ähnliche Charaktere (zB mit der selben Klasse) vorhanden sein können, das macht rein garnichts... kann im Gegenteil sogar recht interessant werden.

Insofern steht bei mir (und der Gruppe insgesammt) zu 90% eh der Charakter und dessen Geschichte im Vordergrund, keine Schlachten oder sonstigen Aspekte, die von den Werten an sich abhängen.
Da muß man bei einigen Dingen dann natürlich wieder differenzieren... zB wenn ich "die beste Diebin im Münchner Plex" spielen will. Da sind dann die Werte dann doch wieder wichtig, auch wenn sie dennoch nur zweite Geige spielen ^^

Chrome
Donnerstag, 20. September 2007, 19:47
Ich wechsle bei den Charakterklassen gerne ab und probiere alles durch, ausser vielleicht Diebe/Assassinen, die liegen mir nicht so. Ich wähle eine Klasse, die ich noch nicht oder lange nicht mehr gespielt habe, und dann wird ein Standard-Vertreter dieser Klasse generiert, ohne Besonderheiten oder große Geheimnisse.

Beim Rollenspiel macht mir das Erleben der Story oder das Ergründen von Rätseln oder Geheimnissen am meisten Spaß, darum lege ich nicht so viel Wert auf einen ausgefeilten Charakterhintergrund oder vielschichtige Interaktion innerhalb der Gruppe. Da ist ein Otto-Normal-Abenteurer absolut ausreichend.

Manchmal lege ich einen Charakter auch nach zehn oder zwölf Abenteuern einfach wieder ab, und mache einen Neuen.

Minza
Donnerstag, 20. September 2007, 20:22
Und manchmal läuft's auch ganz anders. Einer meiner Chars war ursprünglich ein NPC, den wir in einem Abenteuer befreit haben. Die Party fand sie so süß, dass sie sie unbedingt mitnehmen wollten, da hab ich sie als PC übernommen. Und inzwischen ist sie aus allen Chars, die ich je gespielt habe, mein Favourite - so kann's gehn.

Japp, das ist mir vor einigen Monaten bei SR passiert... eigentlich war sie lediglich ein "Nebenprodukt" und wurde zusammen mit einigen Kindern aus der Gewalt von alsbald toten Porno-Ring-Händler befreit, aber irgendwie wollte ich sie dann als Charakter weiterführen und dann habe ich alle NPC Werte zu PC Werte umgebastelt und ihr nen Hintergrund verabreicht... jetzt ist sie halt die Schwester einer meiner ersten SR Charakteren, auch gut ^^ Vor allem, weil sich beide mehr oder weniger hassten und die neue Charaktere (Robin) anfangs nicht wirklich damit anfreunden konnte, daß ihr damaliger großer Bruder jetzt plötzlich eine große Schwester (Schneeball) war *hrhrhr* Aber jetzt verstehen sie sich wieder...

meister_yordin
Freitag, 8. Februar 2008, 18:26
hmm, ich spiel eh immer das "gleiche", daher muss ich nicht mehr lange ueberlegen, wobei sich das weniger auf die klasse/beruf/rasse bezieht, sondern auf die ausgestalltung des chars: er muss ausgefallen, einzigartig, gut aussehend, unabhaengig und besonders "cool" sein - also der perfekte held.

es gibt natuerlich klassen/berufe die das besonders zum ausdruck bringen koennen, wie zum beispiel piloten.

aber trotzdem wird jeder char anders als die anderen, den teilweise lass ich mir fuer das ausarbeiten der hintergrundstory schon relativ lang zeit.

insgesamt entsprechen natuerlich meine chars meinem persoenlichen geschmack in bezug auf den "idealen abenteurer". das "ich kann alles spielen" hab ich frueher auch gepredigt und gelebt, aber mit den jahren hab ich fuer mich gemerkt, das es mir einfach mehr spass macht "echte" helden zu spielen.

waerend ich beim spielen selbst auf regeln nicht allzuviel wert lege, macht mir das ausreizen der regeln beim char-erstellen extrem viel spass. dabei gehts mir nicht darum den ultimativen munchkin char zu erschaffen, sondern die ultimative umsetzung des chars im kopft hinzubekommen.

gruss
yordin

Chessare
Mittwoch, 12. März 2008, 08:46
Das Auswürfeln eines Charakters liegt mir gar nicht, darin sehe ich ein Manko beispielsweise an DSA. Ich würde nie auf die Idee kommen, mir einen vorgefertigten Charakter, sei es nun durch Fernsehen, Bücher oder Würfel zu spielen anmaßen, einerseits, weil ich meine ganz eigenen, subjektiven Gedanken dazu hätte, andererseits, weil ich mich gern austobe, wenn ich einen Charakter zum Leben erwecke. Dann will ich ihn mit dem vollstopfen und ausstatten, was mir passt.

Im Grunde läuft es so ab, dass mir der Spielleiter noch die Regeln und das Setting erklärt, während sich schon die erste - Grundidee - in meinem Kopf bildet. Und dann löchere ich ihn/sie, wie weit der Rahmen des Möglichen gezogen werden kann. Mir kommen tausend Sachen in den Sinn, verrückt, verschroben, die dazu führen, dass der Spielleiter selbst anfängt zu grübeln, inwieweit das machbar ist. Und entweder habe ich einen Tag später die Ideen verworfen und bastel mir einen ganz anderen, "normalen" Charakter oder aber ich bin so begeistert, dass ich dabei bleibe und es wird die Grundidee, deren Wesenszüge sich mit den Motivationen zusammen herauskristallisieren. Erst wenn ich ein klares Bild dessen habe, wie der Charakter sein soll, woher er kommt, warum er genau da steht, wo er ist, wie er sich anderen gegenüber verhält und was seine Absichten - auf lange wie auf kurze Sicht - sind, fange ich an, Fertigkeiten herauszusuchen und Punkte zu verteilen. Meist habe ich zu diesem Zeitpunkt genau im Kopf, was er alles können soll bzw. aufgrund seines Werdeganges muss. Die Nützlichkeit für das spätere Spiel steht dabei weit im Hintergrund, denn ich mag "tolle Helden" überhaupt nicht. Stattdessen steh ich auf Antihelden, Versager, nicht so perfekte Charaktere eben, die nicht wundervoll und hübsch auf die Welt kommen.