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Nirraven
Montag, 21. April 2008, 13:20
Hallo zusammen!

Wir haben ja am Freitag einen sehr unterhaltsamen Abend miteinander verbracht. Doch möchte ich auf die drastischen Einbrüche in unserer Spielkultur hinweisen. Ich selbst bin hierbei kein Ausnahme und möchte zusammenfassen mir als SL bei IK und als Spieler bei Deadlands aufgefallen ist

1) OT-Blasen: Wir sehen uns meist nur am WE und haben wenig Zeit uns auszutauschen. Da ist vollkommen verständlich, behindert aber den Spielfluß und Informationsfluß maßgeblich. Wir sollten daher versuchen in direkten Spiel nicht dauernd ins OT abzugleiten.

2) Character-Spiel: Es kann mal ganz amüsant sein wenn der eine oder andere Character ein bisschen dumm ist und zum Unfug-machen neigt. Wenn die Hälfte des Session dann aber darauf verwendet werden muss um die Komplikationen, Störungen und Reibereien, die sich daraus ergeben, wieder zu normalisieren, find eich das übertrieben.

3) Den-SL-erzählen-lassen: Wir unterbrechen oft den Erzähler/SL/... mitten in der Beschreibung, dem Mono- oder Dialog. Das ist schon von dem her doof, weil die Hälfte der Information untergeht, vergessen wird und extrem die Athmossphäre zerstört die der Sl zu erschaffen versucht. Zudem finde ich es äußerst unhöflich dem Erzählenden gegenüber, der sich eine Story aus dem Fingern saugt und dann nur Fragmente dessen verwenden kann.

4) Overconfidence: Ihr seid nicht unverwundbar! Ich habe doch sehr mit dem Gedanken gespielt bestimmte Starrköpfige einfach von den Haien fresen zu lassen, weil man mal kurz den Viermaster voller Piraten zu fünft kapern möchte. Nur weil Savage-Worlds ein eher heroische System ist heißt das nicht dass man in blinden Vertrauen auf Toughness und Parry die Weltherschaft an sicht reißt. Gesunder Menschenverstand ist immernoch im Spiel erlaubt.
Außerdem lassen sich wechselnde Grundstimmungen im Ambiete (Heroisch, Bedrückend, Beängstigend, Entspannt) nur dann erzählerisch rüberbringen wenn die Spieler sich darauf einlassen. Der Sl kan noch so sehr auf düstere Stimmung hinweisen, aber wenn die Charaktere mit bunten Lampions singend umeinander ziehen wird es wohl bei einer Beschreibung bleiben.

Wie gesagt bilde ich mit nichten eine Ausnahme aus dem ebengesagten und erinnere mich noch mit Schrecken an die Schießerei in DL. Aber ich bin der Ansicht, dass wir entweder zum ernsthaften Spiel zurückkehren sollten oder uns auf kurz oder lang das Rollenspiel an sich kaputt machen.

Wir können es auch einfach sein lassen uns ein altes Heroquest besorgen und dann gröhlend und witzelnd bei Bier und Chips Monster schlachten. Ist auch lustig und es muss sich keiner eine Story überlegen, die er eh nicht mehr anbringen kann...

-N-

NeonSamurai
Montag, 21. April 2008, 13:53
Prinzipiell gebe ich dir recht und gelobe Besserung!

Allerdings muss ich dir in einem Punkt widersprechen:


4) Overconfidence: Ihr seid nicht unverwundbar! Ich habe doch sehr mit dem Gedanken gespielt bestimmte Starrköpfige einfach von den Haien fresen zu lassen, weil man mal kurz den Viermaster voller Piraten zu fünft kapern möchte. Nur weil Savage-Worlds ein eher heroische System ist heißt das nicht dass man in blinden Vertrauen auf Toughness und Parry die Weltherschaft an sicht reißt. Gesunder Menschenverstand ist immernoch im Spiel erlaubt.


Das mag ja sein, allerdings kam ich mir so dermassen "gerailroadet" vor, dass ich da schon ziemlich aufstossen musste.

Aus meiner Perspektive war ich auf einem zerschossenem Schiff und gegenüber war ein Schiff, dass nicht sinkt, aber voller Piraten ist.
Ich meine, lieber stirbt mein Charakter im Kampf gegen Piraten als an Haien oder Wassermangel. Mein Charakter kann ja nicht wissen, dass du uns als "Treibgut" haben willst. Dann hast du uns ja ins Wasser gezwungen und auf das andere Schiff zuklettern, erschien mir das als einzigste Vernünftige in dieser Situation.
Wiegesagt, dass soll keine harrsche Kritik sein, sondern nur mein Blick auf die Situation.

Nirraven
Montag, 21. April 2008, 14:00
Mitnichten.

Eigentlich hatte ich noch einen interessanten Part an Bord des Piratenschiffes geplant. Nur wie macht man Charactere zu Gefangenen?
Man könnte jetzt vermuten dass sie sich ergeben wenn man Ihnen mit dem Versenken droht. Aber meine Spieler lassen sich lieber sicher erschießen als sich unsicher gefangennehmen zu lassen. Was tun?

Richtig, Story kürzen, Deus Ex Machina und hoffen dass der nächste Part besser läuft.

NeonSamurai
Montag, 21. April 2008, 14:40
Ja, das dachte ich mir schon, entweder gefangen, oder halt schiffsbrüchig. Egal was wir machen, wir können da nicht mit heiler Haut davonkommen. Das war so mein Gefühl für den ganzen Encounter.

Wir hatten die Angreifer gut im Griff und ich meine gehört zuhaben, dass wir kaum Besatzung auf dem anderen Schiff sehen. Da lag es doch nahe einen Gegenangriff zustarten. Also für mich zu mindest.

Vielleicht war mir die Situation nicht richtig bewusst aus den von dir obengenannten Kritikpunkten.:mel:

Nirraven
Montag, 21. April 2008, 14:47
Ja. Das war leider so.

Die Besatzung hatte sich größtenteils versteckt und war dann gröhlend aus den Verstecken gestürmt. Aber das ist wie so vieles im allgemeinen Chaos untergegegangen.

NeonSamurai
Montag, 21. April 2008, 14:53
Aber das ist wie so vieles im allgemeinen Chaos untergegegangen.

Jo, das stimmt wohl.

Also mehr Disziplin für uns Spieler und weniger Schienen vom Meister und alle sind glücklich! :)

Nirraven
Montag, 21. April 2008, 15:19
Ich verwende auch nicht weniger Schienen als andere. Unsere Möglichkeiten im Zug waren ja nicht gerade von Mannigfaltigkeit geprägt, genauso wie unser freundliches Sit-In in Deadlands.

flow
Montag, 21. April 2008, 15:28
Ich will auch was sagen:

Ich stimme in vielen der Punkte zu, aber trotzdem sollte der Spaß am Spielen im Vordergrund stehen. Es gibt sicher einen Mittelweg mit dem alle zufrieden sind, und den werden wir auch bestimmt finden und nutzen.

Was ich aber eigentlich sagen wollte ist etwas im Bezug auf Overconfidence. Ich weiß von mir selber, das ich PCs ungern um die Ecke bring, aber, und das werd ich für mich selber auch in die Tat umsetzen, wenn es sich aus einer Situation ergibt(z.B. ein PC steht 300 Mann gegenüber, will aber alle niedermachen), sollte der Meister nicht zögern diesen PC (oder mehrere) ins Jenseits zu befördern. Ist schade, aber wenn die Spieler merken, dass ihre "Helden" sich nicht mehr in gänzlicher Sicherheit wiegen können (obwohl sie ja die "Helden" sind), dann werden sie auch wieder vorsichtiger und rationaler.
Das soll jetzt kein Aufruf sein PCs zu töten, sondern ein Hinweis, das es dem Meister durchaus erlaubt ist, falls es eine Konsequenz aus Unvorsichtigkeit und Overconfidence ist, oder einer unguten, tödlichen Situation.

Manchmal stribt man halt, und manchmal ist man auch selber dran schuld;)

NeonSamurai
Montag, 21. April 2008, 16:11
Jo, wenn ein Charakter fällig ist, ist er fällig.

Der Zug war halt ein Kammerspiel. Ob jetzt arktische Temperaturen railroading sind oder nicht, darüber kann man sich jetzt streiten. Ich hab halt nen Arktisplanet gewählt, weil ich ihn cool fand und nicht, weil er euch einschränkt :) (ist mir erst im Spiel aufgefallen). Ich hatte 3 Möglichkeiten vorgesehen, die zu drei unterschiedlichen Ergebnissen geführt hätten. 1 Möglichkeit habe ich euch vor der Nase baumeln (nach vorne) lassen, eine eher unschmackhaft (nach hinten) und eine gut versteckt.
Ihr habt halt Möglichkeit 1 ergriffen. Weil sie empfohlen habe und nicht, weil ich euch dazu gezwungen habe.

Bei dir hatte ich halt einfach das Gefühl, egal was wir machen, wir kommen nicht heil aus der Sache raus.

Ich glaube wir verstehen unter Railroading einfach unterschiedliche Dinge - macht aber nichts, hatt mir ja trotzdem Spass gemacht die Session. :)

flow
Montag, 21. April 2008, 16:24
Na ja, da Sit-In wär zu vermeiden gewesen, aber es hat so mehr Spaß gemacht (wem laß ich jetzt offen) und es war ein guter Cut.
Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Manchmal muss der Meister etwas railraoden, da die PCs sonst irgendwo versandeln, und sich dann zum Schluß womöglich noch über eine langweilige Story beschweren. Zuviel ist doof, da stimm ich voll zu, aber hin und wieder eine gesunde Portion Eisenbahn ist nicht schlecht. Und so schlimm fand ich das mit dem Piratenschiff gar nicht. War halt 'ne dumme Situation für die Gruppe. Man trifft auch im wahren Leben auf Situationen, in denen man nicht viele Wahlmöglichkeiten hat.

Ergo: Ein bisserl schadet nicht, ob Tod, Railroading oder spielerische Disziplin sei dahingestellt.