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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schlachtbericht Die Schlacht um Calyx-Beta - Die Geschichte einer Schlacht


Nightshade
Donnerstag, 21. August 2008, 03:00
Die Schlacht um Calyx Beta

Schlachtkreuzer „Heilige Gnade“; Hoher Orbit um Calyx Beta, Segmentum Pacificus
Briefing-Raum

Es roch nach Weihrauch, Maschienenöl und dem Schweiss hart arbeitender Männer. Die Luft war erfüllt vom Summen der Servitoren, die die Konsolen bedienten und den halb geflüsterten Kommandos der Flottenoffiziere der „Heilige Gnade“. Der Besprechungsraum wurde von einem gewaltigen Holographischen Projektor dominiert, auf dem sich gerade das Bild der Einsatzzone aufbaute. Lichtpunkt für Lichtpunkt erschien ein Ausschnitt des Planeten, auf dem innerhalb der nächsten Stunden gewaltige Mengen an Blut vergossen würden. Um den Tisch versammelt standen die Kommandeure der Einsatzgruppe „Gnade Terras“. Ihr Mission war, einfach ausgedrückt, ein Start ins Ungewisse. Vor mehreren Jahrzehnten hatte eine imperiale Forschungsgruppe des Ordo Xenos auf diesem Planeten aufgrund seiner relativen Nähe zum Frontverlauf der Schwarmflotte Behemoth eine Psi-Emitter-Phalanx errichtet. Dieses arkane Konstrukt sollte, wenn man den Adepten der Mars-Priesterschaft glaubte, wie ein Leuchtfeuer auf die Schwärme der Tyraniden wirken und sie anlocken. Und auch wenn man den Erfindungen des Mars bestenfalls skeptisch gegenüber stehen konnte, diese hatte funktioniert. Und sie hatte in einem Maße funktioniert, den selbst die Priesterschaft des Omnissiah nicht hätte vorhersehen können. Innerhalb von zwei Jahren wurde der Planet von einem Ausläufer der Schwarmflotte Behemoth überrannt. Gleichzeitig hatte die Psi-Emitter-Phalanx offenbar einen starken Einfluss auf den Warpraum. Noch während die hoffnungslos unterlegenen Imperialen Verteidiger sich gegen die Flut an Tyranidenorganismen stemmten, öffneten sich dunkle Portale und Dämonische Entitäten des Chaos ergossen sich in das Gemetzel. Aufklärungsberichte und Schauergeschichten gleichermaßen konnten kein klares Bild der Situation auf diesem Planeten wiedergeben. Und so wurde von Terra Inquisitor Frankus ausgesandt, um die Situation zu klären und den Emitter wiederzubeschaffen. Die hagere Gestalt des Inquisitors wurde durch das schummrige Dämmerlicht des Besprechungsraumes zu einer diabolischen Erscheinung verzerrt. Seine ohnehin schon bleiche Haut schimmerte in den Farben des holographischen Bildes, als er seine Ausführungen für die bevorstehende Mission wiedergab. Hinter ihm ragte in seiner schimmernden taktischen Cybotrüstung Bruder-Captain Verus von den Grey Knights auf, das Visier seines Vollhelms hochgeklappt, was den Blick auf ein Gesicht voller Narben und steinerner Züge freigab. Seine Augen glühten in einem stechenden Grün und waren ganz auf die holographische Projektion konzentriert. Auf der gegenüberliegenden Seite des Holotisches stand sein Spiegelbild. Ebenfalls in eine Terminatorrüstung gekleidet und ohne Helm stand seine Exzellenz Lord Macragge Marneus Calgar, dessen Gesicht durch das leuchtende Rot des bionischen Auges und das kalte Blau des verbliebenen, natürlichen Auges dominiert wurde. Hinter ihm stand als sein Adjutant und Koordinator der orbitalen Operationen der Ultramarines Bruder-Captain Fabian von der dritten Kompanie, die das Gros an Space-Marines für diese Operation stellte. Zwischen diesen titanischen Gestalten wirkte der Kommandeur der Imperialen Armee-Elemente Lord-General Gerd wie ein Zwerg, obwohl er für einen Menschen eindrucksvolle 2,10 Meter maß. Hinter ihm stand in seine volle Uniform gekleidet und die spitze Mütze auf dem Kopf der Armee-Kommissar Tellus. Die Besprechung neigte sich dem Ende zu.
„Wir werden auf breiter Front auf das Ziel vorstossen, Panzertruppen vor leichter Infatrie. Sobald das Ziel gesichert ist, werden sämtliche Reservetruppen zur Verstärkung in die Schlacht geworfen. Das 501. Tekalianische Werkschutz wird so schnell wie möglich den Emitter bergen und mittels modifizierter Marauder-Bomber aus der Landezone evakieren. Die Grey Knights werden die Speerspitze gegen den Abschaum der dunklen Götter bilden und sie mit rechtschaffenem Zorn vernichten. Die Elemente der Dritten Kompanie der Ultramarines werden sich auf die Tyranidenorganismen konzentrieren und gleichzeitig eine Feuerbasis legen, die den Rückzug in eine der Landezonen sichert. Primäre Landezone ist am Schrein der Häretiker. Ich werde diesen Schrein selbst verteidigen und unschädlich machen. Die sekundäre Landezone ist einen halben Klick westlich des primären Missionsziels.“ schloss Inquisitor Frankus. „Gehet und möge der Imperator Sein Licht auf euch scheinen lassen.“


Calyx-Beta, Oberfläche des Planeten, 2 Kilometer von Primärer Operations Zone
Aufmarschgebiet Panzertruppen des 501. Tekalianischen Werkschutz
2 Stunden später

Erneut wurde der Leman Russ Demolisher von einer heulenden Sporenwolke umhüllt. Das Wetter auf Calyx-Beta bestand aus vereinzelten Lichtstrahlen des Klasse C Zentralgestirnes und in der Hauptsache aus Niederschlag durch Sporenwolken. Die Tyranideninvasion hatte aus dem Planeten eine biologische Ursuppe gemacht. Glücklicherweise hatten die Absorberschwärme den Boden bereits fast vollständig bis auf den nackten Fels abgeerntet, was es den Panzertruppen des 501. erleichterte, auf die primäre POZ vorzurücken. Allerdings war die Sicht in einer Nebelwolke aus Sporen, Staub und mehr Sporen unglaublich kurz. Hauptmann Brock hatte sich kurz nach der Landung gegen eine Position im Turm des Demolishers an der Spitze der gepanzerten Kolonne entschieden. Statt dessen hatte er das Turmluk zugezogen und versiegelt. Er begnügte sich mit einem Blick aus dem Periskop und dem Abgleich seiner Position über das Vox-Netz und der Karte auf seinen Knien. Der Motor des Demolishers röhrte auf, als der Panzer über eine Unebenheit rumpelte und sich weiter den Hang auf das Hochplateau zur POZ hocharbeitete. Brock beugte sich aus seinem Hartschalen-Sitz nach unten und tippte dem Funker auf die Schulter. Der Lärm im Inneren des Panzers machte verbale Kommunikation fast unmöglich. Sergeant Malcolms drehte sich um und zog eine Augenbraue fragend hoch. Unter der dicken Schicht aus Öl und Schmutz waren seine Züge kaum zu erkennen. Brock deutete mit einem Finger auf seine Ohren und zog sich sein schallgedämpftes Headset über. Malcolms tat es ihm gleich.
„Sergeant, geben sie mir nochmal die Frequenz für die Marine-Scouts. Wir sollten mittlerweile in Vox-Caster Reichweite sein.“ grunzte Brock in sein Mikro.
„Zu Befehl, Herr Hauptmann.“ knisterte die Antwort in seinen Ohren.
Malcolms spielte an einigen Knöpfen der Konsole vor ihm, während der Demolishe erneut kurz absackte und wieder hochschlingerte. Brock riskierte einen Blick durch das Periskop vor ihm. In der dichten Suppe aus Sporenwolken konnte er rechts vage die Umrisse eines Leman-Russ Kampfpanzers ausmachen. Auf sechs Uhr war noch das Dreieck aus kleinen, blauen Zündflämmchen von einem Hellhound zu erkennen. Mehr sah Brock nicht. Er musste sich einfach darauf verlassen, das der Rest der Kompanie einfach da draussen war. Malcolms hob die Hand und zeigte Brock einen erhobenen Daumen. Der Hauptmann nickte. Mit einem Schalter legte er sein Mikrophon auf den Kampfgruppe-Sendekreis.
„501-Hammer-Aktuell für Castus. 501-Hammer-Aktuell für Castus. Erbitte Feindlage für POZ. Kommen.“
Als Antwort rauschte es nur in den Kopfhörern. Brock wiederholte seine Anfrage, doch seine Kopfhöhrer empfingen nur Schweigen und Statik.
Malcolms hob plötzlich die Hand und ballte seine Faust und zeigte schliesslich zwei Finger. Offenbar hatte er irgendein hohes Tier von den Marines mit einem Rundspruch in der Leitung, der nicht warten konnte. Brock nickte Malcolms zu, der daraufhin einen Schalter umwarf. Auf Brocks Kopfhörern knackte es deutlich und nach einem kurzen Rauschen hörte er schliesslich eine Stimme.
„...Gnade-Effektiv für...wiederhole, Gnade-Effektiv für alle Einheiten. Alle Reserven sind in Position, alle Reserven sind in Position. Aktualisierungen für Feindlage folgen: POZ ist UNKLAR, ich wiederhole, POZ ist UNKLAR. Orbital Alpha hat Kontakt zu einer Schlachtbarkasse und verfolgt momentan Gefechtsabwurf über Optik. Orbital Alpha meldet 3 Landungskapseln, Projektion läuft, Geschätzte Ankunftszeit ist 30, wiederhole GAZ ist 30 Minuten. Identifikation zeigt Markierungen für Gefallene Engel. Sein Licht möge den Sieg gewiss machen. FÜR TERRA!“
Brock fluchte leise. Sie fuhren mit ihrer Panzerkolonne mitten in eine unaufgeklärte Operations-Zone, auf die der Gegner gerade einen Gefechtsabwurf mit Landungskapseln durchführte. Über den Lärm des Motors und der Ketten, die sich über den felsigen Untergrund quälten hörte Brock plötzlich einen Pfiff vorne aus dem Panzer. Der Fahrer deutete mit einer Hand auf seine Augen und nach vorne. Brock sah durch sein Periskop. Vor ihm hatte der Sporennebel plötzlich aufgehört und sein Panzer nahm gerade eine letzte Steigung bis er auf das Hochplateau fuhr. Hinter ihm, in den Tälern war die Sporensuppe immer noch undurchdringlich, aber auf dieser Höhe schien es anders zu sein. Brock drückte einen Knopf rechts von sich. Rote Lampen im Panzer gingen an und alle Besatzungsmitglieder legten ihre Atemmasken an. Der Hauptmann rückte seine eigene zurecht, versiegelte sie und öffnete dann die Dachluke. Kalter Wind wirbelte Sporen vom Dach des Panzers und in den Himmel davon. Grüne Wolkenfetzen jagten über das Firmament. Hinter dem Demolisher durchbrachen die restlichen Panzer der Kolonne des 501. die Sporenwand und jagten auf das Hochplateau. Brock winkte dem Kampfpanzer auf der rechten Seite zu und aktivierte die Frequenz für das Regiment.
„Hammer-Leitung für Hammer-Einheiten. Gefechtsgeschwindigkeit, Formationswechsel zu Linie rechts, Höllenhunde in die Mitte, Marker ist Schrein-Alpha. Für Sein Licht und Seinen Thron zu Terra!“
Mit donnernden Motoren schwenkten die Panzer aus dem Kolonnenverband aus. Während die Fahrzeuge am Ende der Kette beschleunigten, verlangsamten sich die Einheiten an der Spitze. Zwei Minuten später fuhren alle Panzer auf einer breiten Phalanx auf die Überreste eines kleine Wäldchens zu. Mit kreischenden Bremstriebwerken flogen drei Thunderhawks mit den Markierungen der Ultramarines und Grey Knights über die Panzerkolonne und setzten in einiger Entfernung in Wolken aus Schutt und Sporen auf. Zwei goldlackierte Land-Raider mit Markierungen der Inquisition fuhren aus der Staubwolke und bezogen Position auf den Flanken der geplanten Vormarschroute. Brock sah ausserdem einen Predator im Blau der Ultramarines flankiert von Marine-Truppen mit schweren Waffen Position auf der linken Flanke beziehen. Die Marines verschanzten sich in einer Ruine die wohl einmal ein Bunker gewesen war. Mehrere der grossen gepanzerten Gestalten sprinteten auf die rechte Flanke und nahmen eine Stellung in einem ausgebrannten Gebäude ein. Und in der Ferne konnte Hauptmann Brock eine grosse Anordnung aus Antennen, Sendeschüsseln und Generatoren sehen. Der Psi-Emitter! Für einen Moment wunderte sich Brock, wie seine Infanterie dieses Ding transportieren sollte. Dann fiel sein Blick auf eine gewaltige Wolke, die auf seine rechte Flanke zuhielt. Fast zeitgleich hörte Brock einen Funkspruch von den Voraus-Elementen der Space-Marines, die er zuvor vergeblich versucht hatte zu erreichen.
„Castus für alle, Rotlicht. Durchbruch auf Rechts. Es ist ketzerischer Abschaum und unheilige Dämonen. FÜR LORD MACRAGGE UND DEN GOLDENEN THRON!“
Brock konnte nur ohnmächtig zusehen, wie mit selbstmörderischer Geschwindigkeit zwei Gruppen Bikes aus den Sporenwolken herauspreschten und voll auf die Ruine zuhielten, in der vor einigen Augenblicken noch ein Trupp Space-Marines in Deckung gegangen war. Gleissendes Licht explodierte plötzlich zwischen den Bikes und als es erloschen war marschierten in perfektem Gleichklang mit unaufhaltsamen Schritten zwei Trupps Terminatoren mit den Farben der Dark Angels zwischen den Bikes auf die Schlachtreihe aus Imperialer Armee und Space-Marines. Die Farben auf ihren Schulterpanzern waren mit häretischen Symbolen übermalt, die in den Augen schmerzten und keinen Zweifel an ihren Absichten aufkommen liessen. Hinter einer Biker-Gruppe sah Hauptmann Brock eine wogende Masse an Tyraniden-Organismen. Doch bevor er noch einen Schluss ziehen konnte, sah er die Biker wenden und sich den Absorberschwärmen stellen. Stroboskopartiges Licht flackerte zwischen den Panzern seiner rechten Flanke, als die Terminatoren das Feuer eröffneten. Brock schlug auf den Interkomm-Knopf des Panzers.
„Fahrer, Feuerstellung beziehen, Schütze, Turm auf rechte Flanke ausrichten, Haltepunkt kurz vor den Biker-Trupp. Feuern wenn bereit. Funker, Signal an alle Einheiten: Feuer frei, Feuer frei.“ bellte er in das Mikrophon. Er hob sein Fernglas vor die Augen und beobachtete, was sich da vor seinen Augen abspielte. Die Biker fuhren sich gerade in den Absorberschwarm fest. Brock dankte dem Imperator, das die Tyraniden wenigstens keinen Unterschied zwischen ihren Zielen machten. Mit einem Knirschen kam der Demolisher zum stehen. Servos summten und Hydraulikpumpen liefen an, als sich der Turm mit dem gewaltigen Demolisher-Geschütz in Richtung des zweiten Bike-Trupps drehte. Bolterfeuer schlug in die Fahrzeuge auf der rechten Flanke der Formation und wusch über die Panzerplatten, ohne sie zu durchschlagen. Die Höllenhunde scherten aus der Kampflinie aus und schwenkten nach rechts. Etwas jaulte über Brocks Kopf hinweg. Ein Artilleriegeschoss warf Dreck und mehr Sporen noch, als es zwischen dem Bunker und seinem Panzer in den Boden einschlug. Der Demolisher ruckte nicht einmal. Unter sich sah der Hauptmann, wie der Schütze des Panzers fieberhaft an einigen Rädern kurbelte und das Geschütz in den Himmel schwenkte. Vor Brock wechselte ein rotes Lämpchen auf grün und blinkte dreimal. Die Panzerbesatzung klappte die Münder auf und deckte ihre Ohren ab. Dann fühlte Brock sich, als ob der Panzer einen Kinnhaken bekommen hatte. Mit einem Donnerschlag feuerte das Geschütz. Einen Herzschlag später verschwand ein Teil des Schlachtfeldes in einer Explosionswolke, als das Geschoss sich zwischen die Bikeschwadron und Terminatoren grub. Brock beobachtete das Geschehen durch sein Fernglas und sah keinen nennenswerten Effekt auf die gepanzerten Alptraumgestalten, die sich gerade daran machten, seine gesamte rechte Flanke aufzubrechen.
„Schütze, plus 30 links, minus 10 Höhe und nochmal. Schneller laden, bei des Imperators Allmacht!“ brüllte Brock. Links von ihm röhrte der Motor eines Land-Raiders auf und der goldglänzende Panzer schob sich unaufhaltsam auf die Psi-Emitter-Phalanx zu. Gleichzeitig schob sich auch der ungleich viel kleinere Predator-Panzer nach vorne und richtete seine Laserkanonen aus. Hinter dem Predator marschierte eine kleine Gruppe Space-Marines. In ihrer Mitte stand ein imposanter Mann in Servorüstung, der einen langen Stab in einer Hand schwang. Blaue Entladungen umspielten seinen Kopf und wanderten über seinen Arm auf seine Hand, wo sie sich zu einer gleissenden Gestalt mit Engelsflügeln verdichteten. Dann schleuderte der Marine seine Hand in die ungefähre Richtung, wo Brock den Hauptteil der feindlichen Truppen vermutete. Sekunden später schoss die Erscheinung über das Schlachtfeld und zog ein blaues Leuchtfeuer und Ozongeruch hinter sich her. Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Dämonisches Gebrüll erklang hinter der Anhöhe, auf der sich der Psi-Emitter befand. Auf zwei ledrigen Schwingen erhob sich ein Chaos-Dämon in die Lüfte und sprang über das Missionsziel. Mit knirschenden Schritten marschierte ein Cybot aus dem Wald rechts von Brock, wo der Ausgangspunkt der Operation lag, der Chaos-Schrein, an dem angeblich der Inquisitor höchst selbst sein sollte. Der Cybot feuerte seine Laser und Rakten auf den Dämon ab und brannte zwei Löcher in einen Flügel des Biestes. Bisher sah Brock nur gepanzerte Läufer und Fahrzeuge und ein paar Infantristen dazwischen. Er konnte nur hoffen und beten, das der hohe Inquisitor auch wirklich da war, ansonsten würde dieser Dämon gleich zwischen seinen Panzern landen. Er griff zum Funkgerät und aktivierte die Regimentsfrequenz.
„Hammer-Aktuell für Schwinge. Hammer-Aktuell für Schwinge. Fall Rot. SOFORT Truppen absetzen. Rechte Flanke verstärken. Korridor auf sekundäres Ziel sich...“ Er wurde vom Donnerschlag des Demolishergeschützes unterbrochen. „...Korridor auf sekundäres Ziel öffnen.“ Feind rückt vermutlich in Kolonne auf rechte Flanke vor.“ beendete er den Funkspruch.
Die Antwort kam prompt. Unter Statik und Rauschen konnte Brock die Stimme von Lieutenant Martinez hören.
„Schwinge hier. Verstanden, beginnen mit Landeoperation. Valkyrie-Transporter sind unterwegs, GAZ ist 30 Sekunden. Möge uns der Imperator sicher runterbringen.“
Mit morbider Faszination beobachtete Hauptmann Brock, wie der Dämon direkt auf das Missionsziel sprang und in den Aufbau schlug. Wie zerbrochene Puppen flogen die Scouts von Trupp Castus aus ihren Stellungen und blieben reglos liegen. Eine Gruppe imperialer Halbling-Scharfschützen sprintete aus der Anlage, auf der der Emitter stand und hielten auf die imperialen Linien zu. Erneut flackerte gleissendes Licht auf und wieder erschienen mehr Terminatoren der Gefallenen Engel in der rechten Flanke, wo mittlerweile ein veritables Chaos ausgebrochen war. Die zwei Trupps Space-Marines der dritten Kompanie von Ultramar waren mittlerweile ausgelöscht und mit einer ölig-schwarzen Rauchwolke blieb einer der Leman-Russ Kampfpanzer plötzlich stehen. Flammen schlugen aus den Luken und schliesslich detonierten die Munitionslager. Als ob es nicht genug wäre, wirbelte ein aufkommender Wind eine ganze Menge Sporen auf das Hochplateau. Binnen Sekunden war die Sicht wieder mieserabel wie bei der Anfahrt auf die Mesa. Brock spähte angestrengt durch die tosenden Wirbel aus grüner Biomasse, doch vergeblich. Weder er noch der Schütze des Panzers konnten Ziele ausmachen. Sie konnten nur hoffen, dass die Wolke schnell vorbeizog und sie wieder in die Schlacht eingreifen konnten. Der Wind heulte und Brock konnte über dem Tosen deutlich das Knattern von Motoren hören. Vieler Motoren. Für seinen Geschmack zu viele Motoren, als auf dieser Seite des Schlachtfeldes eigentlich hätten sein können. Schemen durchfuhren die Wand aus Sporenregen, nur um wieder gierig von der tanzenden Wand verschluckt zu werden. Schlagartig klarte die Sicht wieder auf...nur um ein vollständig verändertes Bild der Schlacht wiederzugeben. So schlimm es vor Einbruch der Sporenwolke ausgesehen hatte, es war schlimmer geworden. Rechts von Brock wurden es immer mehr Terminatoren der Gefallenen Dark Angels. Zwischen ihnen bewegten sich zwar mittlerweile einige taktische Cybotrüstungen im Silber und Gold der Grey Knights, doch sie waren hoffnungslos in der Unterzahl. Links des Demolishers ging gerade ein Devastator-Trupp im Blau der Ultramarines in Stellung und legte seine Laser-Kanonen auf eine weitere Bike-Schwadron an, die von einem Trike mit einem gewaltigen Multimelter auf dem Beiwagen geführt wurde. Die Dark Angels hatten offenbar auch die linke Seite der Formation umgangen und nahmen nun den gesamten Vormarsch in die Zange. Ihr Feuer konzentrierte sich auf den Koloss des Land-Raiders, der den Beschuss ohne jedes Zeichen von Beeinträchtigung überstand. Ketten quietschten über den Geröllboden und drehten den goldenen Panzer. Flammen schlugen aus den Seitenkuppeln, als die Sechsfach-Boltersysteme den Beschuss auf die Bikes eröffneten. Dazwischen legten Ultramarines ihre Bolter an und jagten grosskalibrige Projektile zwischen die Bikes, die wie ein Hornissenschwarm auseinanderstoben. Nach und nach vergingen die Bikes in Rauchwolken, als der Beschuss Wirkung zeigte. In diesem Moment jaulte erneut ein Artilleriegeschoss durch die Luft und zerriss einen Grossteil des Devastatortrupps in Stücke. Nur zwei Marines erhoben sich wieder aus der Dreckwolke, unter der ein gewaltiger Krater aufgeklafft war. Über Brock flogen mit heulenden Triebwerken zwei Valkyrie-Gefechtslander auf die rechte Flanke zu und öffneten ihre Ausstiegsluken. Bevor Brock den Insassen auch nur in Gedanken einen guten Wunsch mitgeben konnte, zuckte eine Salve Flakfeuer durch den Himmel und zerfetzte einen der Lander, bevor er seine Fracht hätte entladen können. Trümmerteile regneten auf das Schlachtfeld nieder. Auf Brocks Ohren knackte es.
„Hauptmann, keine Ziele in Feuerreichweite. Erlaubnis zum Vorrücken.“ erklang die Stimme des Fahreres aus dem Interkomm. Brock sah sich um. Die Bikes waren grösstenteils vom Bolterfeuer der Marines und des Land-Raiders ausgeschaltet worden. In der Ferne gingen mehr und mehr Valkyrie-Lander nieder, um den Feind endlich von hinten und in der Flanke angreifen zu können. Auf der rechten Flanke regierte immer noch unverändert das totale Chaos. Allerdings versperrten mittlerweile Panzerwracks die Sicht auf potentielle Ziele.
Brock schlug auf den Interkomm-Schalter.
„Verstanden. Langsame Fahrt, Feuerbereitschaft, nach rechts orientieren.“ gab er durch.
Mit einem Rucken und einen Aufbellen des Motors setzte sich der Demolisher schwerfällig in Bewegung und schlug einen Kurs ein, der ihn auf die rechte Flanke zutrug. Auch der Cybot im Blau der Space-Marines wendete seinen bulligen Torso und stampfte dann nach Osten davon, während er mit seiner Laserkanone Ziele unter Beschuss nahm, die Brock nur erraten konnte. Mit einmal hatte Brock ein unglaublich dumpfes Gefühl in seiner Magengegend. Dann hörte er über sich einen Überschallknall und ein immer lauter werdendes Heulen, als wenn eine übergroße Granate auf sie zuflog. Ein schwarzer Punkt senkte sich aus dem Himmel herab. Bremsraketen zündeten und pendelten die Landungskapsel lotrecht ein, bevor sie mit einem kleinen Erdbeben auf dem Boden aufschlug. In einiger Entfernung ging eine zweite Kapsel zu Boden. Die Druckplatten fielen knallend zu Boden und ein Cybot im Dunkelgrün der Dark Angels stampfte ins Freie. Während in der Landungskapsel ein Boltersystem Ziele im Wald um den Chaosschrein unter Beschuss nahm, richtete sich der Cybot auf den Demolisher-Panzer des Hauptmanns aus und hob die Plasmakanone im linken Arm.
Brock hämmerte panisch auf den Interkomm-Schalter.
„Wende, Wende, WENDE, SCHNELLER VERDAMMT, ZIEL IM RÜCK...“
Weiter kam er nicht. Die Ladespulen glühten auf und ein gewaltiger blauweisser Blitz schlug im Heck des Panzers ein. Panzerplatten aus Plastahl-Keramik und Komposit-Stahl verdampften, schmolzen und innerhalb von Sekunden ging der Motor des Panzers in Flammen auf. Dann explodierte das Munitionslager. In einem gewaltigen Feuerball zerplatzte der Demolisher-Panzer. Hauptmann Brock war sich noch wage bewusst, das er durch die Luft geschleudert wurde. Dann schlug er hart auf dem Geröllboden auf und seine Welt explodierte in Schmerz und schliesslich Dunkelheit.

NeonSamurai
Donnerstag, 21. August 2008, 03:09
Teil 2:

Calyx-Beta, im Anflug auf POZ, nahe Psi-Emitter-Phalanx

Valkyrie-Lander „Schwinge-2.3“, 501. Tekalianischer Werkschutz Rekrutenzug Bravo


Eine Turbulenz schüttelte den Valkyrie-Lander durch. Das Heulen der Atmosphäre draussen wurde beständig lauter, als die Formation aus drei Landungsschiffen tiefer in die Atmosphäre eindrang. Die Rekruten des Bravo-Zuges wurden immer mehr durchgeschüttelt, je länger der Flug dauerte. Der Container, der als Transportvorrichtung unter das Marauder-Chassis gebaut worden war, um die Infanteristen auf das Schlachtfeld zu bringen hatte keine Fenster. Rekrut Copelynn klammerte sich an seinem Flammenwerfer fest und betete bereits zum dritten Mal die Litanei des Schutzes herunter um sich zu beruhigen. Vor ihm übergab sich Rekrut Wades heftig und gab ein ersticktes Wimmern von sich. Copelynn konnte es ihm nicht übernehmen. Ihre Grundausbildung war gerade in der letzten Woche gewesen, als man ihre Kompanie für den Calyx-Beta-Feldzug aktiviert hatte. Die meisten hatten noch nichtmal ihren endgültigen Gefechtsmarsch absolviert, der all ihr gesammeltes Wissen überprüfen sollte. Sergeant Dole, dessen kantige Figur weiter vorne im Landecontainer stand, mit seinem Abwurfgeschirr in einer Sicherungsleine eingehakt, hob zwei Finger in den Mund und pfiff. Die Stimme des Sergeants war laut genug, um den Lärm des Landeanfluges zu übertönen.

„Planänderung, Mädels. Der Imperator hat uns für würdig befunden, eine kleine Heldentat zu begehen. Unser Lander wird ausscheren und uns direkt über dem Ziel absetzen. Wir steigen aus, bauen die verdammte Emitter-Anlage aus und schaffen das Gerät im Eilmarsch zur sekundären Landezone. Offenbar sind die anderen Zonen zu stark unter Beschuss. Wir machen das, beim goldenen Thron. VERSTANDEN?“

Ein Chor aus zittrigen Stimmen murmelte Antworten. Das Getöse draussen um den Container verschluckte es mühelos. Die Lautsprecheranlage knackte und quietschte.

„Noch 30 Sekunden. Der Imperator möge euch segnen. Sein Licht scheine auf euch.“

Die Stimme des Piloten klang gestresst. Für einen Moment dachte Copelynn darüber nach, wie schlimm die Lage auf dem Boden sein musste, wenn das Oberkommando einen unausgebildeten Rekrutenzug auf das primäre Missionsziel ansetzte. Dann verdrängte er den Gedankengang wieder. Es war einer dieser Gedankengänge, die ihn vermutlich vom wahren Glauben an den Imperator, seine Heiligkeit zu Terra auf dem polierten goldenen Thron und in sicherer Distanz zu diesem Höllenloch namens Calyx-Beta sitzend, abfallen lassen würden. Dann machte Copelynns Magen einen Satz und der Container bockte mit seinem Inhalt einmal hoch, als die Bremsraketen die Valkyrie innerhalb von Sekunden aus einer Art freiem Fall in eine präzise Landungssequenz abbremsten. Es schepperte vernehmlich, als der Container auf dem Boden aufsetzte. Dann erklang eine Stakatto-Sequenz als die Sicherungsbolzen der Ausstiegsluke weggesprengt wurden. Mit einem Quietschen schwang die Frontplatte des Containers auf und krachte in einer Wolke aus Staub und grünen Sporen auf den Boden. Copelynn drückte seine Atemmaske noch einmal fest und schubste dann Rekrut Wades nach vorne, der offenbar Hemmungen hatte, durch dieses Tor vor ihm geradewegs in die Hölle zu marschieren. Wades stolperte nach vorne und Copelynn folgte ihm auf dem Fuß. Er war sich sicher, das ihm irgendeiner seiner geliebten Kameraden sonst in den Arsch getreten hätte, vermutlich mit einer Lobpreisung des hochgepriesenen Imperators zu Terra, der vermutlich niemals in einer Landungskonserve der imperialen Armee gesessen hatte, auf den Lippen. Copelynn fragte sich, ob solche Gedanken schon Häresie waren oder nur gesunder Schlachtenzynismus. Er sah sich um. Ringsherum tat sich um sie die Hölle auf. Im Süden sah Copelynn rauchende Wracks von Bikes, Panzern und dazwischen wie zerbrochene Spielzeuge Marines in ihren Servorüstungen. Im Norden hatte eine Gruppe Scouts der Space-Marines Stellung bezogen und richtete ihre Scharfschützengewehre auf weit entfernte Ziele aus. Mit einem Jaulen zog der Valkyrie-Lander hoch und hielt auf die westlich gelegene zweite Landezone zu. Vor dem Rekrutenzug ragte auf einem kleinen Felshügel die Psi-Emitter-Phalanx aus Antennen und Generatoren auf. Sergeant Dole gab Handzeichen. Copelynn konzentrierte sich. Schliesslich begannen die Rekruten alle zunächst mit zögernden Schritten, dann schliesslich schneller und entschlossener auf das Missionsziel zu zulaufen. Als sie alle den Hügel erreichten, keuchte Rekrut Copelynn heftig unter seiner Atemmaske. Schweiss lief ihm unter der Schutzbrille in die Augen. Sergeant Doles Stimme klang in seinen Ohren.

„LOS, RAUF DA, WOLLT IHR ETWA WURZELN SCHLAGEN? Baut das Ding ab und verschwinden wir hier wieder!“

Copelynn schwang resigniert den Flammenwerfer auf den Rücken und begann zu klettern. Schliesslich erreichte er mit dreien seiner Kameraden die oberste Kante und spähte vorsichtig drüber. Vor ihm ragte das Stahlgestell mit den Antennen in den grünen Himmel. Dahinter sah er zwei Land-Raider mit Chaosinsignien auf eine vollkommen ungeordnete Linie aus imperialen Panzern...und Panzerwracks, wie Copelynn entsetzt feststellte...und viel schwerer Infanterie zu.

Er richtete sich auf und rüttelte probeweise an dem Antennengestell. Es wackelte, liess sich aber nicht aus der Bodenverankerung lösen. Offenbar waren die Stahlstifte tief in den Fels getrieben worden. Dann gefror Copelynn das Herz in der Brust. Genau unter ihm auf einer asphaltierten Fläche vor dem Kontrollhäuschen saß ein Dark Angel Space-Marine auf seinem Bike und sah ihn an. Dann griff der Marine blitzschnell zu seinem Pistolenholster und zog mit träger Eleganz eine Boltpistole, die er sofort auf Copelynn ausrichtete. Rekrut Copelynn konnte nur da stehen und gelämten Gliedern und morbider Faszination zusehen, wie sich das Ende seiner extrem kurzen und undankbaren Karriere in der imperialen Armee vor ihm entfaltete. Er schloss die Augen und wartete auf die Dunkelheit. Er wurde enttäuscht. Seine Nackenhaare richteten sich plötzlich auf und eine blau glühende Gestalt mit Schwingen raste heran und fegte den Gefallenen Engel aus dem Sattel. Sie riss ihm den Kopf von den Schultern und jagte dann ohne langsamer geworden zu sein weiter in gerader Linie über den Vorplatz, um dann ausser Sicht zu verschwinden.

Jemand zupfte zögerlich an Copelynns Panzerweste. Rekrut Wades Augen waren weit aufgerissen.

„Was ist, Copy? Lass uns hier verschwinden. Wir kriegen das Ding eh nicht aus dem Boden.“

„Willst du das Dole erzählen? Weil ich das sicher nicht werde.“ schnappte Copelynn zurück.

Er schwang seinen Flammenwerfer vom Rücken und drückte den Zündknopf. Eine kleine, blaue Flamme erwachte vorne an der Mündung zum Leben. Einer plötzlichen Eingebung folgend, hielt Copelynn die Initialflamme unten an die Stahlverstrebung der Antennenanlage. Er wurde von weiß glühenden Metalltropfen belohnt, als sich die Flamme durch die Streben durchfraß. Auf der anderen Seite des Antennenaufbaus begann Rekrut Niessen mit seinem Flammenwerfer, das Gleiche zu tun. Sekunden später hatten sie die Antenne von ihrer Verstrebung gelöst. Mittlerweile war der Rest des Rekrutenzuges auf den Felshaufen geklettert und hob schließlich das ganze Gerät an und ließ es vorsichtig die Anhöhe heruntergleiten. Ohne weitere Hindernisse oder Feindkontakt schaffte der Rekrutenzug es, den Psi-Emitter in die sekundäre Landezone zu bringen und wurde dort von einem Thunderhawk erwartet. Mehrere Marines mit den Abzeichen der dritten Kompanie der Ultramarines nahmen das Gerät in Empfang. Ein titanenhafter Sapce-Marine in seiner Servorüstung trat auf die Rekruten zu.

„Der Imperator möge euch segnen und euch leiten. Durch seine Gnade habt ihr das Ziel dieser Schlacht gesichert und behütet. Sein Licht scheine auf euch und seine Stimme inspiriere euch.“

Copelynn atmete tief ein und aus, als sich ein Lächeln auf sein Gesicht stahl. Er war sich sicher, dass der Marine vor ihm durch die Maske auf dem Gesicht des Rekruten durchsah, als er ihn mit einem Blick durchbohrte.

„Der Imperator erwartet von euch mehr Hingabe. Lasset euch nicht täuschen. Ein Universum des Krieges erwartet euch. Wenn euer Glaube stark ist, möget ihr ihn vielleicht nicht enttäuschen.“ Mit diesen Worten drehte sich der Space-Marine um und stiefelte in das Thunderhawk zurück.