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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einschränkungen bei Usernamen


Loki
Donnerstag, 16. Juni 2005, 19:00
Und wieder eine neue Abmahnwelle:
Wie schon von etlichen Internetforen durchgeführt ziehe jetzt auch ich nach: ab sofort sind Namen, welche offensichtlich durch Markenrechte geschützt sind (Cola, Pepsi, Persil, usw...), verboten!

Der Grund ist eigentlich total irrwitzig, aber leider Realität: Das Internet-Forum ironsport.de wurde Abgemahnt, weil einer seiner Forenuser einen solchen Namen gewählt hatte. Als Streitwert wurden sagenhafte 100.000 Euro festgelegt und selbst, wenn der Forenbetreiber die Namen sofort löscht fallen immerhin Anwaltsgebühren von über 5.000 Euro an.

Das ganze ist zwar noch nicht abschließend geklärt und ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, daß die damit durchkommen (es wird wohl in den nächsten Tagen von beiden Seiten Anklage erhoben), aber allein der damit verbundene Ärger muss schließlich nicht sein. Daher also leider die neue Regelung:

Bitte weist mich darauf hin, wenn ihr solche Namen in der Mitgliederliste findet. Gehört euch selbst ein solcher Nickname schreibt mich an und überlegt euch einen alternativen Namen. Neue Mitglieder mit solchen Nicks werde ich vorsorglich sperren und darauf hinweisen.

Hier noch der Originaltext:
Kann der Betreiber eines privaten Internet-Forums rechtlich belangt werden, wenn eines seiner Mitglieder, allein durch seinen frei gewählten Benutzernamen, gegen bestehende Gesetze verstößt?
Allem Anschein nach kann er das! Denn wenn sich ein Besucher in einem Internet-Forum anmeldet und sich selbst den Namen einer Firma, eines Produktes oder einer Marke gibt, von der er selbst vielleicht auch gar nichts weiß, dann kann es passieren, dass man als Forenbetreiber von eben dieser Firma verklagt wird, weil der von ihnen rechtlich geschützte Markenname ohne Einverständnis genutzt wird.
Dies würde wohl den Untergang jedes Internetforums bedeuten, da es einem Forenbetreiber unmöglich ist, jeden angemeldeten Benutzernamen auf markenrechtliche Ähnlichkeiten hin zu überprüfen. Welcher Webmaster würde bei solchen Aussichten wohl noch ein Diskussionsforum aufmachen wollen?
Dennoch wurde der Betreiber eines der größeren Foren in Deutschland (Ironsport.de) aus eben diesem Grunde von einer Anwaltskanzlei angeschrieben. Im vorliegenden Fall geht es um einen Streitwert von sagenhaften € 100.000 -- man bedenke, dass der Forenbetreiber eine Privatperson und keine Firma ist. Auf diese Summe wird er verklagt, sofern er der von der Anwaltskanzlei vorbestimmten und äußerst kurz bemessenen Frist von 3 Tagen (bzw. nur einem Werktag) nicht nachkommt. Falls er aber in dieser Zeit einwilligt, beläuft sich die Rechnung immerhin noch auf € 5.206,31, was für eine privat betriebene Internetseite bzw. deren Betreiber nicht gerade wenig ist. Zudem muss der betreffende Benutzername geändert oder gelöscht werden, was auch darauf hinausläuft, dass alle Spuren, die jemals in Verbindung mit diesem Namen in der Datenbank auftauchen, restlos beseitigt werden. Andernsfalls wird er aufgefordert den vollen, oben genannten Streitwert zu zahlen.
Diese Forderung wurde gestellt, ohne im Vorfeld einen Hinweis, eine Warnung oder nur eine Bitte auszusprechen.

Bei dem betreffenden Forum (Ironsport.de) handelt es sich um ein öffentliches Internet-Forum, in dem die Nutzung kostenfrei ist. Die Seite finanziert sich durch die Einblendung zweier Werbebanner und eines gleichnamigen Online-Shops, der von einer dritten Firma auf einer geringen Provisionsbasis zur Verfügung gestellt wird.

Leider habe ich einen solchen Fall. Es handelt sich allerdings um ein 0-Beiträge-Motglied und wird deshalb gelöscht.


Wer den Streit verfolgen will: http://www.ironsport.de/klage_gegen_forum.html

Klar, bei Ironsport.de handelt es sich um eine Firma (und deshalb dieses ganze Zeugs). Aber man kann heutzutage leider nie wissen, was denen noch so einfällt... :(

wus
Dienstag, 30. August 2005, 20:13
Im Internet geht's zu wie im wilden Westen. Bloß dass hier die Revolvermänner Rechtsanwälte heißen.

yennico
Montag, 12. September 2005, 18:22
Als ehemaliger Forenmoderator wundert mich sowas nicht. :)
As Forenbetreiber soll man für den Inhalt der Postings haften, sprich man sollte alle Postings durchlesen und nicht den Forenrichtlinien entsprechende Postings löschen. Dieses ist natürlich mit Arbiet verbunden. Wer ein Forum betreibt muss mit Arbeit rechnen. :)

Es gibt aber im Internet auch unberechtigte Abmahnungen.

Zum aktuellen Fall: Wie, außer einen manuelle Kontrolle aller Nicks sollte sich der Forenbetreiber vor sowas schützen? Eine Stopwortliste bestehend aus allen Marken:) für Nicknames? *lol* Soetwas geht nicht. z.B. Fiat und Panda als Marken sind sicher geschützt. Ein User möchte sich mit den Nick "Spandauer", weil er aus Berlin-Spandau kommt anmelden, ist die Stopwortliste bestehennd aus den Markennamen aktiv geht es aber nicht, das Spandauer das Wort Panda enthält.

Chrome
Dienstag, 4. Oktober 2005, 00:29
"Unberechtigte Abmahnungen" ist hier wohl das Stichwort. Anwaltskosten von 5000 Euro - für was?

Das ist ein klarer Abzockversuch, die Kanzlei setzt bewußt eine sehr kurze Frist und hofft, daß der Seitenbetreiber in Panik "einwilligt" und unterschreibt, daß er die beigefügte Rechnung bezahlen wird!

Natürlich solltest Du als Admin auf Nummer sicher gehen, aber solche "Rechtsanwälte" gehören in den Knast!

Loki
Dienstag, 4. Oktober 2005, 20:55
Jo, sehe ich auch so. Die gegenklage läuft ja schon. Ich hab mich mal auch "umgelesen" im Netz. Es drohen anscheinend auch dem Kläger rechtliche Konsequenzen, da anscheinend der Markenname auch nicht so von ihm geschützt hätte werden dürfen oder so...

Es gibt also Hoffnung :)

Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass ich - falls es mal wirklich zu Einschränkungen kommt - nich aus Spaß an der Freud' mache, sondern einfach, weil ich nicht die Kohle hab solche sachen zu zahlen.

yennico
Montag, 21. November 2005, 16:47
Update:
Die Gegenklage war erfolgreich (http://www.heise.de/newsticker/meldung/66300).