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el_fatal
Dienstag, 17. Januar 2006, 15:28
Dani, du kannst das gerne als Epilog zu deinen Werken nehmen..;)



Erinnerungen.

Alles hatte ich erreicht. Meine „Operation Kerze“ in Llael hatte sich zu einem Selbstläufer entwickelt.
In Corvis hatte ich mich zu einer mächtigen und geachteten Persönlichkeit „hochgearbeitet“. Gerade die letzten Ereignisse dort haben meinen Aufstieg beschleunigt – auch wenn ich die Neuigkeiten bzgl. der Verbindung meines Gottes mit den „Alten“ nicht unbedingt zu 100% gut geheißen habe. Der Weg zum Bürgermeisteramt war zum Greifen nah, doch dann kam ER. Ich hätte nicht gedacht, dass ER mir den Raub seines allerheiligsten Artefaktes so übel nimmt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass Toruk mich in diesen Augenblick verlassen hatte. Nun ja … zwei schwerwiegende Fehler. ER packte mich einfach und entfernte mich aus Immoren. Einfach so wie man einen wertlos gewordenen Bauern vom Schachbrett fegt. Die riesige Hand lies mich los und ich wurde in etwas gesaugt, das mich entfernt an ein Stück Darm von Innen erinnerte. Ich weiß nicht mehr wie lange ich herumgewirbelt wurde. Es existierte einfach kein Zeitgefühl mehr. Ich verfluchte IHN und auch Toruk, welcher mich schmählich im Stich gelassen hatte. Dann wurde der Sog auf einmal sehr stark und ein unbändiger Schmerz umfing mich. Ich bemerkte, dass ich mich automatisch verwandelt hatte. Plötzlich wurde es langsamer und es fühlte sich an als würde ich durch Sirup gezogen. Ein unbändiger Schmerz fuhr in mich. Es fühlte sich an als würde ein heißes Feuer sich langsam durch meine Innereien brennen – von der Fußsohle bis zu den Haarspitzen. Ich sah wie meine Verwandlung auch Stück für Stück verschwand – auch alle Erinnerungen an Sprüche die ich als Priester Toruks beherrschte verflüchtigten sich im Schmerz. Plötzlich gab es einen Ruck und ich hing schwerelos im Nichts. Nur eine Handbreit von mir entfernt sah ich ein blau schimmerndes Ebenbild von mir – mit unscharfen Konturen und ständig zwischen Blighted-Form und „Normal“ wechselnd. Ich versuchte danach zu greifen – irgendwie wusste ich, dass es sich um meine Essenz oder Seele handeln musste, die aus irgendwelchen Gründen Immoren nicht verlassen konnte. Dann jedoch kam der Sog wieder, so stark dass ich das Bewusstsein verlor.
Als ich wieder zu mir kam stach mir als erstes der penetrante Geruch nach Verwesung und Abfall in die Nase. Als ich die Augen öffnete tanzten graue Punkte vor meinen Augen und ein sengender Schmerz fuhr mir bis ins Gehirn. Ich fühlte mehr als ich sah, dass eine Gestalt über stand. Stand? Schwebte trifft es wohl eher. Ein heftiger Hustenanfall schüttelte mich durch. Dabei fiel mein Blick auf meine Hände, welche sich auf einen gepflasterten, dreckigen Boden abstützten. Sie waren, dünn, welkig und mit vielen Altersflecken überseht. Das Fehlen meiner Seele lies meinen Körper wohl verfallen. Ich richtete meinen Blick auf die Gestalt, welche mich wohl Zeuge meines Verfalls werden wollte. Sie war in lange unauffällige Roben gekleidet. Füße waren nicht sichtbar und sie schwebte tatsächlich knapp über dem Boden. Sie hatte das Gesicht einer Frau. Ihr ganzer Kopf war von einem Kranz aus Klingen umrahmt. Aber ihre Augen – sie stachen in mein Inneres und musterten mich mit einer Gründlichkeit wie es selbst Lord Toruk nie getan hatte. In diesem Augenblick fühlte ich mich wie ein unbedeutendes Insekt. Ein Parasit. Ein Eindringling. Und ich merkte auch das in diesem Augenblick meine Zukunft entschieden wurde. Die Dame streckte ihre Hand aus. Eine kleine blaue Kugel, die gleichmäßig pulsierte hatte sich darin gebildet. Sie drehte einfach ihre Handfläche und die Kugel fiel auf mich. Nein…sie fiel in mich. Und wieder Schmerz. Und wieder verlor ich das Bewusstsein.
Dies war meine erste und bisher einzige Begegnung mit der Dame der Schmerzen, unangefochtene Herrscherin der schönsten Stadt im Multiversum nach Corvis – SIGIL.
Was auch immer sie mir geschenkt hatte – es enthielt auch Wissen. Unschätzbares Wissen über Struktur und Beschaffenheit des Multiversums im Allgemeinen und Sigil im Spzeiellen.
Die ersten Tage ernährte ich mich von Essensresten und Abfall, während ich erfreut beobachten konnte wie sich der Alterungsprozess umdrehte. Während dieser Zeit legte ich auch meine letzten moralischen und religiösen Wesenszüge, die ich vorher besessen hatte ab. Nur eines behielt ich mir tief im innersten: Rache an IHN, der mir all dies antat. Aber wie ich bald erkennen sollte, wird dies ein Unterfangen sein, welches, wenn überhaupt, in weiter Ferne liegt, denn Immoren kennt niemand. Niemand weiß wo es „liegt“. Niemand weiß wie man dort hin gelangt. Ich stieß auf die Gesellschaft zur Kartographierung der Ebenen. Wenn ich eine Chance habe Immoren zu finden – dann mit deren Hilfe. Ich heuerte also dort an und erlernte erst einmal in müheseliger Arbeit die Kunst des Karten Zeichnens und Spuren Lesens. Auch lernte ich dort, dass man als Reisender in den Ebenen sich besser anpasst und eher unauffällig agiert anstatt alles mit Gewalt zu lösen und mit der Tür ins Haus zu fallen. Dank der Referenz des Leiters der Gesellschaft fand ich Zugang zu einer Gesellschaft, welche sich „Adepten des Nichts“ nannten. Sie waren in der Lage auch dem schärfsten (magischen) Auge zu entgehen, ja nicht mal göttliche Hellsichtmagie konnte sie aufspüren. Das erschien mir eine gute Eigenschaft für den Fall, dass ich jemals nach Immoren zurückkehren sollte. Jedoch war es ein langer Weg dahin um überhaupt Lehrling des Nichts zu werden. Jahrhunderte des Trainings von Körper und Geist gemischt mit unzähligen Reisen zwischen den Ebenen. Ich wurde Zeuge so manchen Wunders und sah die erstaunlichsten Dinge (jedoch keinen Hinweis auf Immoren – nicht mal eine Gottheit mit welcher ich direkt kommunizieren durfte konnte mir dazu etwas sagen). Zwei Reisen möchte ich besonders erwähnen. Als ersten möchte ich erzählen wie ich Yggdrasil traf:
Ich war alleine unterwegs um fragwürdige Verbindungen im „Treppenhaus“ zu überprüfen. Als ich die Tür öffnete, welche mich eigentlich auf eine materielle Ebene hätte bringen sollen trat ich ins nichts und fiel. Um mich herum sah ich Brocken von Erde, Fels,a alles jedoch irgendwie tot und farblos. Ich sah ein totes Universum. Nicht das erste Mal. Ich bereitete mich darauf vor in den nächsten Strang der Ebene des Schattens zu springen, als mein Fall sich plötzlich verlangsamte und ich begann in eine andere Richtung zu schweben. Aha. Irgendetwas zieht mich an. „Ich möchte nur mit dir kommunizieren, Weltenwandler!“ erschall eine Stimme in meinen Kopf. Im Nachhinein klang sie irgendwie hölzern. Kein Wunder, denn nun sah ich wie ein gigantischer Baum in der Ferne auftauchte. Eine gigantische Krone, weit verzweigte Äste und das Wurzelwerk aus drei riesigen Strängen bestehend. Immer näher flog ich ran und nun realisierte ich erst die wahre Größe dieses Baums. Weltenumspannend. Gigantisch. Aber auch er war in den meisten Teilen farblos und wirkte wie abgestorben. „Man nennt mich Yggdrasil“ hörte ich wieder die hölzerne Stimme in meinem Kopf. „ich möchte dir meine Geschichte erzählen“. Er erzählte von glücklichen Tagen, erwähnte wundersame Wesen wie Nidhöggr, Goin und Moin oder Ratatöskr. Er erzählte von einer gewaltigen Schlacht unter den Göttern die letztendlich den gesamten Kosmos hier vernichtete. Ein unbändiger Hass schwang in seiner sonst so hölzernen Stimmer mit als er über den Untergang erzählte. Die Unvernunft aller göttlichen Wesen und die Selbstherrlichkeit und den Starrsinn eben solcher. Auch ich berichtete ihn von meinem Schicksal und wie mich ER in meine Lage brachte. Yggdrasil fragte mich daraufhin, ob ich bereit wäre seinen letzten Lebensfunken an einen anderen Ort zu tragen wo er wiedergeboren werden könne. Er versprach mir als Gegenleistung dafür bei meinem Kampf gegen IHN zu helfen, sollte ich Erfolg haben – ja er wolle mir sogar bei jedem Kampf gegen die verhassten göttlichen Wesen beistehen. Eher amüsiert (wann – außer gegen IHN – würde ich schon gegen Götter kämpfen wollen) willigte ich ein. Der gesamte Baum fing auf einmal an zu glühen. Die toten Stellen vermoderten in Windeseile und zerfielen zu Staub der sich mit großer Langsamkeit ausbreitete. Einige wenige Stellen aber – vor allem im Zentrum des Stammes – begannen zu leuchten und sich zusammen zu ziehen. Plötzlich gab es ein blendendes Licht und ich musste die Augen schließen. „Benutze mich, bis deine Rache vollzogen und pflanze mich danach in einer jungen Welt an“ hörte ich die hölzerne Stimmer ein letztes Mal in meinen Kopf sagen. Als ich die Augen öffnete schwebte direkt vor mir eine hölzerne zweiklingige Bartaxt. Eindrucksvoll dachte ich mir und griff danach. Bis heute hat sie mir gute Dienste geleistet. Trotz ihres hölzernen Aussehens und des relativ leichten Gewichts schlägt sie immense Wunden. Auch kann sie sich nach belieben Verkleinern und erscheint auf Befehl direkt in meinen Händen. Nur einmal seitdem habe ich Yggdrasil wieder in meinen Kopf gehört, Nicht in Worten sondern nur als hasserfüllter Schrei. Wir trafen in einem Wurmloch auf einen Halbgott, der wohl den Verstand verloren hatte und uns mit zwei Kummsäbeln bedrohte. Bei meiner ersten verzweifelten Attacke (Fliehen war unmöglich) hörte ich Yggdrasils wutentbrannten Schrei und der Halbgott fiel unter meinen ersten Schlägen. Nun war ich wirklich beeindruckt.
In die beiden Krummsäbel hatte dieser Halbgott eine Liebespaar gebannt (sie waren Hohepriester seines verhassten Vaters) um sie ewig zu quälen in dem Wissen, dass der Partner stets nah aber nie erreichbar sein würde. Ich nahm mich ihrer an und nannte sie „tanzende Liebe“, denn sie konnten unabhängig vom Träger agieren und einem pas-des-deux aus Klingen einen wundervollen Tanz aus Stahl begehen (wie ich am eigenen Leib erfahren durfte). Während sie tanzten konnten sie sich auch miteinander unterhalten und sich ihre Liebesbeweise zu schreien. Hmm ich schweife ab.
Vor einigen Tagen habe ich den sechsten Kreis als Adept des Nichts vollendet. Mein Dienst für die Kartographie Gesellschaft dauert nun schon fünf Jahrhunderte an. Ich altere komischerweise nicht und wenn ich sterbe, draussen irgendwo in (oder zwischen) den Ebenen, dann erwache ich nackt wieder in einer Gasse in Sigil. Gut, dass Yggdrasil und die Liebenden mich stets wieder finden, denn allzu oft hat Neugier und Leichtsinn über Ratio und Vernunft gesiegt. Allerdings bin ich nun schon seid 83 Jahren und 24 Zyklen „todesfrei“. Ein neuer Rekord. Khymez hat einen neuen Auftrag für mich. Irgendetwas seltsames ist im Treppenhaus passiert. Na mal sehen…. . Und Corvis, und auch ganz speziell DICH habe ich nicht vergessen….