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Fred
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Beitrag von Fred » Mi 3. Jul 2019, 15:40

Vor einiger Zeit, als Transhuman Space noch angesagt war, hörte ich folgende Geschichte: Der Spielleiter einer THS Runde, nennen wir ihn JadeX, ließ Antagonisten in einem Fahrzeug flüchten und rechnete damit, dass die Spieler nun eine Verfolgungsjagd starten würden. Die PCs lehnten sich jedoch lediglich zurück und bemühten „Google Live“, um herauszufinden, wohin die Flüchtigen sich begeben würden. Im Grunde völlig naheliegend in einem Setting, wo Webcams omnipräsent sind (z.B. in Form von Wearables, oder sogar die Augen der augmentierten Menschen selbst).

Die Frage ist: Macht ein transhumanes Setting konventionelle Plots unmöglich? Wie kann man in der Welt der Zukunft noch Verbrechen begehen, ohne sofort dabei erwischt zu werden? Wie kann man einer Verfolgung entkommen, unerkannt bleiben, sich verstecken? Unbemerkt in ein Haus eindringen, oder einen Taschendiebstal begehen, ohne dass man dabei gefilmt wird? Kann es in so einer Welt überhaupt noch Rätsel geben?

Eine Möglichkeit ist natürlich, das Abenteuer in einem Teil der Welt stattfinden zu lassen, der noch nicht ganz so technisiert ist. Aber das ist kein Ansatz, den ich favorisiere.

Wie würdet ihr in einem Transhumanen Setting die Spieler einen Kriminalfall untersuchen lassen, der nicht nach wenigen Augenblicken gelöst ist? Bzw. wie könnten die PCs selbst in so einer Welt erfolgreich Verbrechen begehen?

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Jadetiger
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Re: Google Live

Beitrag von Jadetiger » Mi 3. Jul 2019, 16:16

Wenn wir nicht von irgendwelchen besoffenen intuitiv handelnden Dumfmännern reden, sondern von geplant agierenden Verbrechern, dann würde ich sagen, es gilt die Regel "Jede Lection hat ihre Contralection" (Regel des klassischen deutschen Fechtens). Der Spielleiter müsste sich also im Vorfeld überlegen "Wie haben sich die Verbrecher im Vorfeld abgesichert?".

...ich mag JadeX wirklich sehr. Ein besserer Name ist ist für ein Cyberpunk-Setting kaum vorstellbar :D
"What we see now is like a dim image in a mirror." - JadeX, Hacker of Fortune

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Fred
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Re: Google Live

Beitrag von Fred » Mi 3. Jul 2019, 16:46

Jadetiger hat geschrieben:
Mi 3. Jul 2019, 16:16
...ich mag JadeX wirklich sehr. Ein besserer Name ist ist für ein Cyberpunk-Setting kaum vorstellbar :D
Und obendrein ist JadeX auch noch bibelfest, wie es scheint.

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Re: Google Live

Beitrag von Jadetiger » Mi 3. Jul 2019, 16:53

:mrgreen: Korither 13 Vers 12 :mrgreen:
Da hat aber jemand mal suuupertief in seinem Anime-Nerd-Randwissen gegraben :lol:
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Fred
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Re: Google Live

Beitrag von Fred » Mi 3. Jul 2019, 17:11

Ich wollte mal eine KI in einem Abenteuer Scheller nennen, weil sie zwar mit Menschen- und mit Engelszungen spricht, aber ein Chinesisches Zimmer ist - also eine klingende Schelle.
Sie hieß dann aber doch Fysh :)

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Re: Google Live

Beitrag von Simbert » Mi 3. Jul 2019, 21:04

Jadetiger hat geschrieben:
Mi 3. Jul 2019, 16:16
Wenn wir nicht von irgendwelchen besoffenen intuitiv handelnden Dumfmännern reden, sondern von geplant agierenden Verbrechern, dann würde ich sagen, es gilt die Regel "Jede Lection hat ihre Contralection" (Regel des klassischen deutschen Fechtens). Der Spielleiter müsste sich also im Vorfeld überlegen "Wie haben sich die Verbrecher im Vorfeld abgesichert?".

...ich mag JadeX wirklich sehr. Ein besserer Name ist ist für ein Cyberpunk-Setting kaum vorstellbar :D
Das Problem, dass man dabei halt hat, ist das damit das funktioniert, der SL mindestens genauso schlau wie die NPCs sein muss, und sich im Setting auch genauso gut auskennen sollte wie diese. Der SL muss auf jede Idee vorbereitet sein, welche in-Setting so offensichtlich ist, dass die NPCs auch vorbereitet sein sollten. Währenddessen brauchen die Spieler nur eine einzige Idee zu haben, auf die der SL nicht vorbereitet ist damit das ganze zusammenbricht.

Klar sollten geplant agierende Verbrecher einen Plan haben, um sich nicht über Webcams verfolgen zu lassen. Oder über GPS chips in ihrem Auto. Oder durch stalkerdronen. Oder....

Aber der SL hat halt realistisch gesehen nicht an alle diese Dinge gedacht, und selbst wenn sie von Spielern aufgestellt werden, hat er möglicherweise keine gute Reaktion zur Hand. Das Problem mit der Planung ist dann, dass effektiv viele NPCs, die eigentlich kompetent sein sollten, plötzlich wie besoffene Deppen aussehen, weil SL aus seiner heutigen Lebenserfahrung nicht an ein Ding gedacht hat, das von den kompetenten NPCs klar hätte eingeplant werden sollen.

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Re: Google Live

Beitrag von 2nirwana » Do 4. Jul 2019, 08:17

Wenn in dem Setting diese Art von Verbrechen möglich ist dann gibt es technische Möglichkeiten die technischen Spuren zu verwischen. Sei es Hacker, Smarte Verkleidung, Störsender, DDoS oder etc. Im Zweifelsfall kann in einer solchen Situation der Spielleiter (oder der der Spieler, der ja auch nicht alles genau wissen/können muss was der Charakter weiß/kann) einfach auf die passenden Fertigkeit würfeln.
Ich würde was Kameras angeht zu Bedenken geben dass es entweder ein zentrales System geben muss (das die Verbrecher dann gut angreifen können) oder aber alles verteilt gespeichert wird (dann werden die Charaktere aber Zeit brauchen diese Systeme zu finden, Zugriff zu bekommen und die Videos zu sichten und das nächste Gerät finden auf den der nächste relevant Video Winkel ist. Verfolgung in Echtzeit ist also nicht möglich)
Nahkampfwert zu niedrig oder keine Lust mehr bei Kämpfen nur zu würfeln? => Stockkampf in München

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Re: Google Live

Beitrag von Fred » Do 4. Jul 2019, 09:57

Im einfachsten Fall müssten sich die Verdächtigen nur schnell genug zu einem Fluchtmittel begeben, in welchem sie nicht mehr per Webcam oder Satellit verfolgt werden können, z.B. ein U-Boot oder ein Untererdfahrzeug (mechanischer Maulwurf). Benutzen sie einen vorbereiteten Fluchttunnel, gibt ihnen das ggf. den benötigten Aufschub.

Im Setting sollte es auch möglich sein, dass die Flüchtigen sich z.B. per Metamaterialien oder Hologrammen unsichtbar machen können. Da alle Webcams auch im IR Bereich funktionieren sollten, würden sie auch Heat Sinks benötigen. Diese müssten eine ausreichende Kapazität haben, dass die Flüchtigen ungesehen einen Ort erreichen können, in welchem nur sie den Webcam Feed kontrollieren.

Ebenfalls denkbar ist das Zünden einer EMP Bombe und das Wechseln des Fluchtfahrzeugs.

Es ist außerdem denkbar, dass eine private Überwachung des öffentlichen Raums gesetzlich verboten ist, so dass nur die zentrale staatliche Überwachung gehackt werden müsste.

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Re: Google Live

Beitrag von Fred » Fr 5. Jul 2019, 11:27

2nirwana hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 08:17
Ich würde was Kameras angeht zu Bedenken geben dass es entweder ein zentrales System geben muss (das die Verbrecher dann gut angreifen können) oder aber alles verteilt gespeichert wird (dann werden die Charaktere aber Zeit brauchen diese Systeme zu finden, Zugriff zu bekommen und die Videos zu sichten und das nächste Gerät finden auf den der nächste relevant Video Winkel ist. Verfolgung in Echtzeit ist also nicht möglich)
Es ist auch eine Frage des gesellschaftlichen Systems. Eine selbstverwaltende anarchistische Gemeinschaft von der Größe der (transhumanen) Dunbar-Zahl ohne Hierarchie und Polizei ist darauf angewiesen, dass jeder seine Webcam Feeds öffentlich macht (jeder kontrolliert jeden), insbesondere wenn es eine Reputationsökonomie gibt.
Wohingegen in einer sehr großen Gemeinschaft der Datenschutz an erster Stelle stehen könnte. Das könnte soweit gehen, dass die Daten aus der staatlichen Überwachung nicht zu kriminalistischen Zwecken verwendet werden dürfen, sondern nur zu soziologischen oder kliometrischen (wie z.B. bei Greg Bears Queens of Angels). Diese Daten wären dann besonders geschützt (vermutlich offline) und private Überwachung wäre verboten.

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