Rund um Eure Charaktere

Eine Idee für ein Abenteuer? Oder sogar ein ganzes Abenteuer? Dann hier rein!
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Minza
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Rund um Eure Charaktere

Beitrag von Minza » So 10. Nov 2019, 15:02

Hallo ihr!

Meist, wenn ich einen neuen Charakter erschaffe, bastel ich mir auch etwas für ihn zurecht, was diese Figur dann umreißt... erklärt... kurz beschreibt. Manchmal ist es eine Skizze, hin und wieder auch eine kleine Geschichte. Und da ich weiß, dass andere Spieler das ähnlich handhaben und hoffe, dass hier auch solche Spieler vertreten sind, möchte ich mit diesem Thread eine Sammlung für solche Kurzgeschichten und andere schriftliche Werke rund um eure Charaktere eröffnen.


Ich fange mal an: in einem neuen Weltenbauprojekt eines Freundes spiele ich eine Ermittlerin der Militärpolizei, alles in einem spätmittelalterlichen Setting eingewoben. Ich wollte noch keine direkte Arbeitsweise des Charakters festlegen, also habe ich ihre Art mit einem kleinen Erlebnis aus ihrer Kindheit ummalt. Dieses könnt ihr hier nachlesen...
Spoiler:
Sturmsommer


"Und wenn?"

"Was 'wenn'?"

"Wenn ich gehe...?"

"Hmpf."

"Dann gehe ich."

"Das tust Du nicht."

"Aber warum?"

"Wie oft denn noch?"

"Was 'wie oft denn noch'?"

"Soll ich Dir das erklären..."

"Ich will's nicht erklärt bekommen!"

"Das merken wir."

"Inger hat mir das aber nicht verboten."

"Deine Mutter hat Dir das auch schon erklärt..."

"Ich werde gehen."

"…"

"Und mir wird nichts passieren."

"Unnur..."

"Was?"

"Pass auf Dich auf."

"Das tu ich schon, Armin. Keine Sorge."
***
Der Sturm umwehte Unnur Arminsdottir und zog an ihr wie die Hand eines unsichtbaren Riesen. Kurz stemmte sie sich gegen diese Macht, dann kauerte sie sich zusammen und versuchte sich mit dem Unterholz des Waldes abzuschirmen. Abgerissene Zweige und andere Pflanzenteile prallten gegen sie, kratzten über die entblößten Stellen ihrer Haut. Sie hielt sich eine Hand vor die Augen, die andere vor Mund und Nase.
Ihr Vater hatte sie gewarnt, sich nicht in diesen Tagen zu weit von Gebôhaîm zu entfernen. Gewaltige Sturmböen waren normal in diesen Landen und zu dieser Jahreszeit, wenn sich die Sommersonne langsam der kälteren Zeit ergab. Doch Unnur liebte ihren Wald, liebte die Freiheit, die sie dort erleben durfte. Kein Dorf, keine Nachbarn, keine Arbeit, keine Verpflichtungen. Keine Eltern, die einem alles verbieten wollten. 'Geh nicht nachts raus.' 'Spiel nicht so mit Deinem Bruder.' 'Freunde Dich nicht mit den Schweinen an.' 'Erzähl nicht allen, was zuhause los ist.' 'Bleib während des Sturmsommers drinnen."
Als wenn sie kein Mensch wäre, sondern ein Homunkulus, dem man von früh bis spät Befehle geben konnte und der sich nur stumm verbeugte und sich an seinen Aufgaben erfreute. Sie war aber ein Mensch. Sie war Unnur. Sie war zwölf. Was wollten alle von ihr?

Und außerdem hatten sich ihre Eltern auch nicht immer an die Regeln gehalten. Natürlich waren sie anständige Bürger des Reiches. Natürlich hielten sie sich an die Gesetze von Andoria. Aber Armin hatte sich gegen den Wunsch seiner Eltern - in Unnurs Augen zwei böse, alte Harpien - mit einer Frau aus dem Norden eingelassen. Hatte zugelassen, dass seine Tochter nach nordischen Traditionen benannt wurde.
Natürlich hatte es die Harpien zufrieden gestellt, dass drei Jahre zuvor Ulf mit seinem menemischen Namen und der menemischen Feier das Licht der Welt erblickte. Ulf, Sohn des Armin. Wundervoll. Dagegen war Unnur Arminsdottir wie eine Kampfansage gegen die Familie. Armin, der Rebell. Armin, der Schandfleck der Familie. Auch wenn er ein treuer Staatsdiener war. Aber die Heimat verraten? Nicht Adoria, sondern die "wirkliche" Heimat? Und seine Tochter dann noch im Glauben seiner Frau aufwachsen lassen? Den so hoch gepriesenen Sohn auch? Schande über Armin!

Inger hatte es nicht besser angestellt. Gegen den Willen der Eltern die eisigen Wälder verlassen, in denen ihr Stamm immer noch wohnte. Einen Menemer geheiratet und ihm einen Bastardsohn geschenkt. Eine Bastardtochter. Wenigstens hatte Inger durchgerungen, dass das jüngste Balg einen nordischen Namen trug und das Zeichen des Frostwolfes im Hause hing. Aber ihr Vater - ein fetter Dachs, wenn man Unnur fragte - hatte sich geschworen, seine Tochter und deren Brut nie wieder zu sehen. Nur Ingers Mutter hielt Kontakt und zu ihr führte Unnur sogar ein guter Verhältnis. In Form von ein paar Briefen im Jahr, von drei Besuchen, die Ingers Mutter bis jetzt auf sich genommen hatte.
Unnur mochte ihre Großmutter wirklich. In ihren Augen sah sie die Freiheit, die allen anderen in ihrer Familie fehlte. Ein nicht übersehbares Glänzen, wie ein Stern, der in ihren Gedanken tanzte und das Lied einer ganzen Welt sang. Nur schade, dass Inger und ihre Mutter nur stritten, wenn sie zu Besuch war. Aber das war nicht Unnurs Problem.
Ihr Problem war, dass der Sturm stärker wurde. Dass der Wind den verholzten Busch vor ihr so tief nieder drückte, dass sich die Zweige in ihrem schulterlangen Haar verfingen und ihr das mit Sommersprossen übersäte Gesicht zerkratzten. Sie spürte warme Flüssigkeit auf ihrer Haut. Blut? Ungewollte Tränen? Vereinzelte Regentropfen?

Ein seltsames Quieken neben Unnur ließ sie zusammenfahren. Schwach und vom Wüten des Unwetters beinahe begraben. Sie zog sich das Hemd schützend von hinten über den Kopf und wagte sich einige Längen in Richtung eines großen Wurzelstocks, der den letzten Tagen zum Opfer gefallen war. Der gestürzte Baum bot ihrem Vorankommen wenig Schutz, war er doch noch jung gewesen und der Stamm dünn, die Wurzeln aber hatten eine kleine Kuhle in den Waldboden gerissen und dort sah Unnur nun ein kleines, hässliches Wesen zucken, nicht größer als ein Huhn.
Nackt war es, bis auf einige lange Haare. Die Augen waren geschlossen und lila angeschwollen, übergroß im rosafarbenen Kopf sitzend, das zahnlose Maul weit aufgerissen, die Zunge dick und den Mundraum beinahe vollends ausfüllend. Zwei schwache, dünne Beinchen zitterten unter dem abgemagerten Körper und knochige, federlose Flügel versuchten immer wieder und vergeblich, die Lage des kleinen Leibes zu verändern. Ein kurzer, anscheinend an zwei Stellen gebrochener Schwanz lag schlaff unter dem Wesen, das erneut einen hellen Ton ausstieß.

Unnur blickte fassungslos und mit offenen Mund das Küken an, den Sturm um sich herum vergessend. Ein Wyvern. Ein lebendiger Wyvern. Sie griff nach unten und hob das Wesen hoch.
***
"Was hast Du da?"

Unnur schob sich vor das alte Schaffell, mit dem sie vor dem Kamin saß. "Nichts."

Ihre Mutter trat näher an sie heran und beugte sich über die Schulter des Kindes. "Zeig her."

"Ich..."

"Unnur." Die Stimme von Armin war leise und ruhig. Dennoch schwang eine warnende Härte mit.

"Armin," begann Unnurs Mutter unsicher: "das solltest Du Dir ansehen."

Unnur spürte, wie Inger wieder zurückwich. Sie nahm das Fell in ihre Arme und drückte es vorsichtig an sich. Das Wyvernküken fiepte, von der plötzlichen Bewegung verunsichert.

Armin schob sich in ihr Gesichtsfeld. "Zeig es mir." Immer noch warnend. Hart. "Jetzt."

Sie schob das Fell weiter zur Seite. Ihr Vater zog zischend die Luft ein. Der Wyvern lag nackt und mit sichtbarem Herzschlag unter seiner dünnen Haut im haarigen Nest, das Unnur ihm geformt hatte.

"Nur solange, bis es draußen überleben kann." Das selbe Flehen, wie wenn sie um das Leben eines Ferkels rang. "Ich kümmere mich. Es braucht mich."

"Es ist ein wildes Tier, Unnur." Die Härte in Armins Stimme war verschwunden. Mitgefühl? Stolz?

"Ich..."

"Nein," unterbrach Inger sie. "Das wird nicht in diesem Haus bleiben!"

Armin legte seiner Frau beruhigend eine Hand auf den Arm. "Lass sie..."

Inger drehte sich mit fragendem Blick zu ihrem Gatten. "Armin..."

"Lass sie."
***
Ulf saß neben Unnur, als sie dem Küken ein Stück in Milch aufgeweichtes Brot in den Hals schieben wollte. Zuerst versuchte es, den Kiefer verschlossen zu halten, dann hatte es keine Kraft mehr und ließ locker. Milch rann an seiner Haut entlang und wurde vom Fell aufgesogen. Es schüttelte sich schwach, reckte aber dann doch seinen Kopf in Unnurs Richtung. Die geschlossenen, dicken Augen pulsierten mit dem Herzschlag.

"Lass mich mal," flüsterte Ulf.

Er schob seine kleine Schwester zur Seite, ohne den Blick vom Küken zu nehmen. Kurz wehrte auch sie sich, dann griff er ihr in den Nacken und sie erschlaffte soweit, dass er sich an ihren Platz drücken konnte. Sie sah Ulf vorwurfsvoll an, der aber berührte den Kopf des blinden Küken nur immer wieder mit einem schmutzigen Finger.

"Hör auf damit."

"Warum?"

"Weil es das nicht mag."

"Woher willst du das wissen?"

"Ich würde das auch nicht mögen."

"Du magst das." Ulf piekte einige Male mit seinem Finger an Unnurs Stirn, dann in ihren Bauch. "Du magst das."

"Nicht jetzt."

Ulf wandte sich wieder dem Küken zu. "Es kann sich nicht nur von Brot ernähren."

"Warum nicht?"

"Wyvern fressen Schafe und Wild. Sie rauben keine Kornkammern aus."

"Und was sollen wir ihm dann geben?"

Ulf grinste sie breit an.
***
Das Huhn krallte noch einmal in die Luft, dann sackte es leblos in Unnurs Griff zusammen. Blut lief aus dem offenen Hals, der auf dem Hackblock lag. Der Kopf, der auf die festgetretene Erde zwischen dem Haus und dem Schuppen gefallen war, sah mit leerem Blick in das Wolkenmeer, das über ihnen dahin raste.

"Das sollte für einige Zeit reichen." Der stolze Blick von Ulf ließ Unnur lächeln.

Sie nahm das abgetrennte Haupt, während Ulf die schwere Axt zurück an ihren Platz stellte, und warf ihn weit hinaus ins stark umwehte Feld, wo er zwischen den Getreidehalmen verschwand. Sollten die Wiesel auch ihren Spaß haben. Hauptsache ihre Eltern fanden nicht heraus, dass nun weniger Hühner im Stall waren. Sie schlug den toten Vogelkörper in ein dunkles Leinentuch und bog in Richtung der Eingangstüre um die Hausecke, als sie ihren Vater vor sich erblickte. Mit verschränkten Armen sah sie Armin wütend an.

"Was ist das?" Sein Blick haftete auf dem Tuch in ihren Armen.

"Nichts..."

"'Nichts' blutet nicht durch den Stoff."

Entsetzt sah Unnur nach unten. Einzelne Tropfen sammelten sich neben ihren Händen und wurden gegen ihr Kleid geweht. Sie sah hilfesuchend zu Ulf, der war im Schuppen aber nicht zu sehen. Anscheinend hatte er ihren Vater rechtzeitig bemerkt. Schön für ihn, dachte sich Unnur und drehte sich mit voll Schuld verzogener Grimasse wieder zu Armin.

"Dich haben wir auch nicht mehr lange." Er deutete auf die Haustüre und Unnur folgte ihm mit gesenktem Kopf ins Innere.
***
Der Duft des Bratens lag wie eine warme Decke in der Stube. Kurz blickte Unnur von ihrem Arbeitsplatz auf und sah die dunklen Blicke von Armin und Inger, die am Tisch saßen und nichts sprachen. Unnur hasste es. Sie sollten sie schimpfen. Sie anschreien. Sogar schlagen. Nur nicht schweigen.
Neben ihnen saß Ulf, seine Augen von Mutter zu Vater tanzend. Abschätzend, wie sich die Lage noch entwickeln würde. Als er zu Unnur schaute, schmolz der skeptische Blick zu einem warmen Lächeln und er nickte ihr fast bewegungslos zu. Eine kleine, vertraute Bewegung, die ihr soviel Sicherheit schenkte.

Sie fischte die letzte Wurzel aus dem heißen Wasser und legte sie neben das Huhn, das die letzten Stunden über dem Feuer gehangen hatte. Dann nahm sie die dicke Holzplatte und trug sie zum Tisch hinüber, wo sie das Mahl zwischen die Wartenden absetzte. Ein schlecht überdecktes Zucken eines Mundwinkels verriet die Gedanken Armins und auch Ingers Blick huschte nun von ihrer Tochter zur Platte. Unnur wusste, dass ihre Mutter ihr das nicht zugetraut hatte. Kochen konnte Unnur, das wusste Inger. Aber das?
Wortlos griffen die Eltern zu den langen Esspieksern und pulten sich das erste Fleisch von den dampfenden Knochen und Unnur wusste, dass es noch lange dauern würde, dass die beiden ihr diese Sache verzeihen würden. Aber der erste Schritt war getan und sie hatte genügend Fleisch vor der Zubereitung retten können, um das Küken zu füttern.
***
Sie lag auf der langen Bank, fast unter dem Tisch, der nur einige Stunden zuvor die beste Mahlzeit, die sie jemals zubereiten würde, getragen hatte. Draußen tobte immer noch der Sturm und immer wieder krachten in der Nacht umher gewehte Holzstücke an die schweren Fensterläden. Der Luftzug, der durch die Ritzen der alten Bretter fuhr, ließ die beiden brennenden Kerzen flackern.
Auf ihrem Bauch, das Kinn auf ihre Hände gestützt, beobachtete sie das friedlich atmende Geschöpf, das satt und fast vollständig vom Schaffell bedeckt in seinem neuen Nest schlief. Es war hässlich, das musste sie zugeben. Und sobald es nicht mehr hässlich war, würde es vermutlich gefährlich werden. Scharfe Krallen, spitze Zahnreihen und giftige Stacheln am gefiederten Schwanz. Muskeln so stark, dass sie in der Not einen ausgewachsenen Mann davon tragen könnten.
Doch hier und nun war es klein und hilflos. Und Unnur nahm sich vor, für dieses Wesen da zu sein.
***
Das Küken lag tot in der tiefen Kuhle, die Unnur mit dem Fell geformt hatte. Vor dem Nest stehend sah sie mit offenem Mund den kleinen Körper an, der gestern noch frisches Hühnerfleisch verschlungen hatte. Was war geschehen?

"Das Vieh wäre früher oder später eh verreckt." Ihre Mutter ging mit einigen gerade zusammen gelegten Decken hinter ihr vorbei. "Oder es hätte jemanden verletzt."

Unnur sah ihre Mutter mit glasigen Augen an. "Wie denn mit..."

"Es ist besser so, glaub mir."

Unnur schloss ihren Mund und sah wieder das regungslose Küken an. Sie wusste, was ihre Mutter meinte. Aber das würde sie nie gegenüber ihrer Eltern zugeben.
***
Sie stand mit Ulf im Wald. An der Stelle, an der sie zwei Tage zuvor den kleinen Wyvern gefunden hatte. Das Loch, das der Wurzelstock gerissen hatte, war nun mit frischer Erde, Moos und Ästen bedeckt. Unter dieser Schicht schlief das Küken seinen langen Schlaf und tanzte vermutlich schon unter den Sternen im warmen Atem des großen Wolfes, der durch die ewige Nacht des Nachlebens jagte. Der Wind zog an ihren Haaren und ihrer Kleidung, doch nicht so stark wie in den letzten Wochen. Der Sturmsommer hatte sein Ende eingeläutet und bald schon würde der Herbstnebel seinen Platz als ständiger Begleiter übernehmen.
Doch kümmerte sie all dies nicht. Ihre Gedanken waren bei 'was hätte ich anders machen können?' und 'vielleicht war es das Brot oder die Milch'. Wie ein schwerer Stein sanken diese Gedanken immer tiefer in ihren Geist, bis sie die Berührung Ulfs an ihrem Rücken spürte. Er streichelte sie sanft und nur mit den Fingerspitzen, so wie sie es mochte.

Aus ihrem Grübeln gerissen schenkte sie ihrem Bruder ein schnelles, verstohlenes Grinsen, dann hoben beide ihre Köpfe, als ein großer Schatten über die Baumkronen flog und das schwache Licht, das durch Wolken und Blätterdach drang, zerschnitt.
Die majestätische Form eines Wyvern zog über den Wald hinweg und ein gellender Schrei, dem eines großen Greifvogels nicht unähnlich, drang bis in die Schatten des Unterholzes hinab. Sie sahen beide dem Tier nach, das über den Bäumen verschwand und mit einem traurigen Lächeln legte Unnur ihren zerzausten Kopf gegen die Schulter ihres Bruders.

Soviel zu Unnur und ihrer Short Story... jetzt seid ihr dran. Her mit ähnlichen Projekten, die eure Charaktere mehr beschreiben, als jeder Attributswert es könnte? ^^
Zuletzt geändert von Minza am Mo 11. Nov 2019, 18:48, insgesamt 1-mal geändert.
Have fun storming the castle,
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Berpol
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Re: Rund um Eure Charaktere

Beitrag von Berpol » Mo 11. Nov 2019, 13:00

In den letzten Jahren war ich fast ausschließlich als Spielleiter tätig und bin daher bei den vielen von mir erschaffenen Charakteren wenig in die Tiefe gegangen. Da ich die Charaktere aber so erschaffe wie ich sie auch spielen würde passiert es natürlich ab und zu. ;)

Mein Standardvorgehen sind erstmal ein paar Fragen. Aus dem erschaffenen Charakter und seinen (Un-)Fähigkeiten geht dann ein Teil der Vorgeschichte hervor die dann noch abgerundet werden kann.

Leodas
Arbeitsname: B... (da es der zweite Charakter ist).
Rolle in der Gruppe? Erdmagier
Habe ich eine inspirierende Miniatur? Ja (bei Magier ist das einfach)
Außerdem habe ich einige (recht kleine, nur 25mm große) Zyklopen, diese passen als beschworene Erdelementare für Anfänger, also wird Beschwören einer seiner ersten Zauber.
P.S. ich hatte auch schon einen NSC der zu dieser Miniatur passte. :D

Was macht den Charakter aus, was unterscheidet ihn von anderen Erdmagiern?
Da er im Kampf hinter seinen Erdsoldaten steht warum soll er diese Rolle nicht gut machen? Also wird er Anführer und Taktiker. Ich habe hier also einen Charakter, der intelligent ist, Magie beherrscht (zumindest Erde) und sich mit Strategie und Taktik auskennt.
Jetzt kommt auch sein Name: Leodas (zumindest der männliche Name. Er basiert natürlich auf Leonidas, einem Anführer aus der Geschichte).

Warum geht er auf Abenteuer und übt nicht einen "normalen" Beruf aus?
Hier kommt es natürlich darauf an, welchen Status ein Abenteurer hat. Werden sie als Söldner angesehen, Herumtreiber die man hoffentlich nicht mehr sehen muss nachdem man bezahlt hat? Oder ist es ein üblicher Weg für viele, die nicht den Beruf der Eltern ergreifen können? Oder ist es ähnlich wie die Walz, wo Handwerksgesellen Erfahrung bei fernen Meistern suchen?
Warum also ist Leodas nicht in die Armee eingetreten und hat eine Karriere als Offizier eingeschlagen? Einfache Antwort, er kann nicht. Ich lege fest, dass in seiner Heimat nur Leute adliger Herkunft direkt die Offiziersbahn einschlagen und zum Hocharbeiten von Soldat über Feldwebel zum Leutnant ist er einfach gesagt zu gut (oder zu intelligent :oc: ). Als Kind aus der Stadt (Handwerker oder Händler?) wird aber seine Begabung für Magie erkannt und an einer Magierakademie gefördert, sein Interesse für das Militär bleibt ein Hobby (Lehnsesselstratege).
Viele Magier bleiben an der Akademie (oder wechseln zu einer anderen), unser Leodas hat aber ein Talent für Strategie und Taktik und will in die Schlacht (der zumindest Kämpfe in kleinerem Maßstab).
Sprung in seine Kindheit.
Während seiner Kindheit war das Reich in großer Gefahr, aber ein genialer General schlägt den Feind trotz gegnerischer Überzahl durch geschickte Strategie, Taktik und ausnutzung des Geländes. Er ist der Held aller Jungen, die ihm nacheifern wollen, der intelligente Leodas studiert die Strategien seines Helden während seine Freunde lieber mit Waffen üben.
Und hier haben wir die Idee für einen Rivalen, mindestens einer seiner Freunde hat sich hochgearbeitet und kann als Helfer oder Gegner auftreten.

Diese Vorgeschichte habe ich noch weiter ausformuliert, im Gegensatz zu meinen Gedankengängen ist diese aber nicht mehr in meinem Kopf sondern in einer inzwischen korumpierten Datei.
Schadenfreude ist die ehrlichste Form von Mitleid.

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Re: Rund um Eure Charaktere

Beitrag von CNQ » Mo 11. Nov 2019, 19:49

Ich schreibe recht selten Kurzgeschichten zu meinen Charakteren, da ich eher der visuelle Typ bin. Trotzdem habe ich zu zwei Charaktere, die ich in einer Kampagne in Emmergens spielte, ein wenig meinen Gedanken zu den Figuren freien Lauf gelassen.

Don Esteban de Rio Cerveza, war mein anthropomorpher Ameisenbärenbarde und irgendwann wollte ich dann doch einen kleinen Prolog für ihn schreiben:
Spoiler:
Erinnerungen von Don Estaban del Rio Cerveza
MEINE FRÜHESTE KINDHEITSERINNERUNG ist das Grün des Waldes, in dem ich mit meiner Mutter Beeren pflückte, und wo wir in der Erde nach Wurzeln und Ameisenbauten suchte.
Als wir in die Lichtung traten, in welcher unser Dorf stand, waren gerade Menschenkriegern dabei, es zu brandschatzten. Ich wurde einfach im Genick gepackt und mit den anderen Kindern in einen großen Sack gestopft. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, die wir in der Dunkelheit und Enge verbrachten. Nur ab und zu wurde der Beutel geöffnet und etwas zu essen hinein geworfen.
Anfangs hörten wir noch den Urwald um uns herum, doch die vertrauten Geräusche schwanden. Zuerst das Kreischen der Möwen auf See, dann das Gemurmel der Menschenmasse in der Stadt.

Als sich der Sack das letzte Mal öffnete, fand ich mich in einer heruntergekommenen Spelunke im Hafenviertel wieder.
Ich wurde an den herrschsüchtigen Wirt Picoerro verkauft, der mich zwang, jeden Abend auf einem Tisch in der Mitte der Gaststube zu tanzen und Kunststücke vorzuführen. Ich war noch ein kleines Kind, das so etwas gar nicht konnte, und so lachten die Seeleute über meine Versuche.
Doch eines Tages kam ein Mann mit silbernem Haar und kaufte mich frei.
Sein Name war Morriõ de Panza. Ein einfacher Barde, doch ausgestattet mit einem regen Forscherdrang und viel Interesse an der Kultur und der Musik meines Volkes.
Er zog mich in einem kleinen Haus am Rande der Stadt auf. Lehrte mich das Spielen von Saiteninstrumenten, das Sprechen der menschlichen Sprache, sowie der Sprache meiner Artgenossen, den Pilõsan, welche aber von den Menschen nur als "Langzungen" verspottet wurden. Er erzählte mir viel von ihnen, ihrer Musik und den alten Geschichten.
Doch zum Teil war er auch ein seltsamer Mann, mit seltsamem Humor. So gab er mir den Namen Don Esteban del Rio Cerveza, obwohl ich nur sehr wenig Alkohol vertrage und besonders Bier mir nicht schmeckt.

Da er schon sehr alt war, als er mich aufnahm, und ich über mein halbes Leben bei ihm verbrachte, starb er an einem sonnigen Nachmittag, friedlich auf der Veranda. Doch bevor dies geschah, sprach er noch eine letzte Bitte an mich aus. "Esteban, versprich mir eines. Dass du der Musik immer treu bleiben und dass du die Lieder deines Volkes in die Welt tragen wirst."
Dann nahm ihn die große Mutter zu sich.

Da mich nichts mehr auf der Insel hielt, heuerte ich auf einem Schiff an, welches über das Meer nach Resham fuhr.
Nun sollte mein Abenteuer erst richtig beginnen...
Mit Thuêban Aq Ramin spielte ich eine Hexen- bzw. Monsterjägerin aus der Wüste. Mit der folgenden Mini-Geschichte habe ich eine Spielerentscheidung für den Charakter erklären wollen:
Spoiler:
Die Gnade der Schlange
DIE FLAMMEN DES Feuers fraß sich in die Dunkelheit der kühlen Nacht hinein. Knackend verbrannten die Stöcke trockenen Holzes in ihnen. Die junge Frau mit der sonnengegerbten Haut starrte mit ihren scharfen blauen Augen in die Lichtquelle, rieb mit einem Daumen über die funkelnde Klinge ihres Wurfbeils.
Sie saß am Rande eines kleinen Waldes, wo die Äste leicht im schwachen Wind wippten. In der Ferne war leicht das gierige Wühlen einer Wildschweinrotte zu vernehmen.

"Warum?" fragte sich Thuêban innerlich.
"Was hat mich nur davon abgehalten?" Sie blickte kurz auf die Klinge, dann wieder zurück ins Feuer.
"Was war es, dass mich davon abgehalten hat, diese Kreatur vom Angesicht der Welt zu tilgen?"
"Furcht? Nein. Mitleid? Nein, für solche Ungeheuer nicht."
Sie warf nochmals einen Blick auf das Axtblatt. Mit dem Zeigefinger fuhr sie über das kleine in das Metall gravierte Symbol.
"Oder vielleicht war es gar nicht meine Entscheidung... vielleicht war es er..."
Sie öffnete langsam den Mund und hauchte "Iln Pashniad"
Thuêbans Mundwinkel verformten sich zu einem Schmunzeln.
"Seine Wille muss es gewesen seine... seine Gnade mit dieser armen Abscheulichkeit."
Sie legte das Beil neben sich ins Gras, schlug die Arme hinter den Kopf und legte sich auf den Boden. Die Sterne leuchteten über ihr am Himmel. Sie schloss die Augen und atmete ruhig aus. Sie hatte die Antwort für sich gefunden.
Ansonsten muss ich mal schauen welche meiner aktuellen Charaktere so eine kleine Geschichte noch bekommen könnten.
CNQ.
Rollenspieler und Isarpreuße seit 2012

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Re: Rund um Eure Charaktere

Beitrag von Berpol » Di 26. Nov 2019, 19:01

Hier noch zwei Charakterideen (nie ausprobiert) basierend auf Ideen die einem kommen, wenn man Isekai-Mangas liest. :idea:

Für Jetztzeit
Du wurdest in eine andere Welt beschworen und nach deinem Sieg über den Dämonenkönig bist du zurück. Du bist ein Meister im Schwertkampf (oder eine in unserer Zeit unpraktischere Waffe), aber dein gesamtes Wissen über Magie oder die andere Welt bringt dir nichts, diese Welt hier hat ganz andere Regeln. Auch die Segnungen der Götter sind mit deiner Rückkehr verschwunden. Du konntest als Schriftsteller etwas Geld verdienen, die Erzählungen deiner Abenteuer gelten aber als zu klischeehaft (oder zu abgedreht).
Alternative: Der Segen alle Sprachen zu verstehen wirkt noch, du arbeitest als Dolmetscher. :D
Offene Frage: Wieviel Zeit ist in unserer Welt vergangen (keine, Jahre, lange genug um für tot erklärt zu werden...).

Für Fantasy
Dein bester Freund ist genau wie man sich jemanden vorstellt, der als Held in eine andere Welt beschworen wird, gut aussehend, sportlich, nicht sonderlich klug. Und dann passierte es auch, ein magischer Zirkel bildete sich unter seinen Füßen. Aber er wollte nicht alleine reisen und hat dich mitgerissen. Aber der Zirkel war nur für eine Person, du bist gestorben. Ein Gott (vielleicht jemand lokales wie Odin oder Freya) konnte gerade noch deine Seele retten, hat dir einen neuen Körper gegeben und dich auf die Reise geschickt, durch deinen Tod gibt es leider kein zurück.
Offene Frage: Landest du vor der Zeit deines Helden-Freundes, etwa gleichzeitig, Jahrzehnte später?
Schadenfreude ist die ehrlichste Form von Mitleid.

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