Diversität im RPG

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Re: Diversität im RPG

von ghoul » Di 21. Jul 2020, 14:54

Fred hat geschrieben:
So 19. Jul 2020, 22:19
Von der Existenz der Mahu wusste ich bislang nichts. Ihre historischen Wurzeln sind anscheinend leider nicht in gesellschaftlicher Toleranz begründet, und die frühere Praxis, einfach über den ältestern Sohn zu bestimmen, hat ggf. (je nach individueller Lieblingsideologie) zu psychischen Schäden geführt. Die traditionelle Rollenzuweisung als Hausfrau war vermutlich auch wenig erstrebenswert. Ebenso ist eine gewisse Gefahr des Abdriftens in die Prostitution (ähnlich dem dritten Geschlecht Indiens) gegeben.

Daher finde ich die Idee auch besonders gut, die Mahu als Magiekundige darzustellen, d.h. Hexer/n im ethnologischen Sinne, so dass ihr sozialer Status aufgewertet wird. Oder ist das auch eine historische Sichtweise?
Ich bin da zufällig drüber gestolpert: https://www.cnn.com/style/article/namsa ... index.html
Das war zu gut, musste ich einfach verwenden. Dem Artikel zufolge sind sie übersinnliches begabt aus Sicht ihrer Kultur.

Die nächste Mission führt in die Karibik, und prompt stolpere ich beim Vorbereiten (ganz ohne Agenda!) über das nächste Genderfluidity-Thema! Ich werde berichten.

OOT: Das dritte Geschlecht in der SF

von Fred » Mo 20. Jul 2020, 13:12

In einem SF Setting ist das Dritte Gechlecht oft keine kulturelle Definition, sondern biologische Spekulation, um Exotik zu generieren. Bekannte Beispiele sind der "Katalyst" aus Alien Nation und die "Solarians" aus dem Foundation-Zyklus.

In einem meiner Settings handelt es sich dabei um Brüter, welche lediglich die leere Eizelle und damit aber eben auch mitochondriale DNA bereitstellen (eine konvergente Evolution vorausgesetzt).
Eine andere Spezies verfügt über sieben Karyotypen, bei der Paarung erfolgt eine dauerhafte Verschmelzung (das Prinzip der Promiskuität ist unbekannt).

Natürlich lasse ich in meinen Settings die Spieler keine Aliens (oder Uplifts, Bioroiden, Roboter etc.) spielen, um den Sense of Wonder nicht zu zerstören. Trans- und Posthumane menschliche Charaktere sind schon exotisch genug.

Re: Diversität im RPG

von Fred » So 19. Jul 2020, 22:19

ghoul hat geschrieben:
Fr 17. Jul 2020, 12:29
Meine Spieler sollten die Meuterer der Bounty fangen (HMS Pandora, 1790-92). Dabei kamen sie natürlich nach Tahiti. Dort stellte sich heraus, dass zwei der Meuterer von den Mahu versteckt gehalten wurden, denen sie beitreten wollten. Die Mahu sind das magisch begabte dritte Geschlecht Tahitis! Die NSC-Mannschaft der Pandora reagierte sehr verunsichert auf diese Begegnung.
Sehr gute Idee, wie ich finde. Für "nicht-binäre" :P Briten des 18. Jahrhunderts eine gute Möglichkeit und überzeugende Motivation, gesellschaftlichen Einschränkungen zu entkommen.

Von der Existenz der Mahu wusste ich bislang nichts. Ihre historischen Wurzeln sind anscheinend leider nicht in gesellschaftlicher Toleranz begründet, und die frühere Praxis, einfach über den ältestern Sohn zu bestimmen, hat ggf. (je nach individueller Lieblingsideologie) zu psychischen Schäden geführt. Die traditionelle Rollenzuweisung als Hausfrau war vermutlich auch wenig erstrebenswert. Ebenso ist eine gewisse Gefahr des Abdriftens in die Prostitution (ähnlich dem dritten Geschlecht Indiens) gegeben.

Daher finde ich die Idee auch besonders gut, die Mahu als Magiekundige darzustellen, d.h. Hexer/n im ethnologischen Sinne, so dass ihr sozialer Status aufgewertet wird. Oder ist das auch eine historische Sichtweise?

Re: Diversität im RPG

von ghoul » Fr 17. Jul 2020, 12:29

Beispiel für unaufdringliches Einflechten von Diversität, wie ich es meine:

Meine Spieler sollten die Meuterer der Bounty fangen (HMS Pandora, 1790-92). Dabei kamen sie natürlich nach Tahiti. Dort stellte sich heraus, dass zwei der Meuterer von den Mahu versteckt gehalten wurden, denen sie beitreten wollten. Die Mahu sind das magisch begabte dritte Geschlecht Tahitis! Die NSC-Mannschaft der Pandora reagierte sehr verunsichert auf diese Begegnung.

Re: Diversität im RPG

von Fred » So 21. Jun 2020, 20:33

Informat hat geschrieben:
So 21. Jun 2020, 13:06
Das wäre dann die Aristokratie für die noch nicht transhumanen Gesellschaftsteile.
Ja, die kognitiven Gräben ließen sich definitionsgemäß nicht leugnen.

Ich würde es auch vermeiden wollen, ein rührseliges "normale Menschen können auch was!"-Gewäsch wie in GATTACA ins Setting aufzunehmen, nur um die Forderung nach Gleichbehandlung zu pseudolegitimieren.

(und ja, ich fand GATTACA gut - aber eben auch rührselig)

Re: Diversität im RPG

von Informat » So 21. Jun 2020, 13:06

Fred hat geschrieben:
Sa 20. Jun 2020, 19:26
Demzufolge gäbe es für Transhumane ggf. andere Rechte und Pflichten als für normale Menschen.
Das wäre dann die Aristokratie für die noch nicht transhumanen Gesellschaftsteile.

Re: Diversität im RPG

von Fred » Sa 20. Jun 2020, 19:26

Als ich mal Transhuman Space geleitet habe (ich weiß nicht mehr ob nach den umständlichen GURPS Regeln oder nach Storyteller), hatte ich mir einen NPC ausgedacht, der wegen seiner geheimgehaltenen Beziehung zu einem sapienten Uplift-Delphin erpressbar war.

Naiverweise ging ich damals davon aus, dass in der Zukunft möglicherweise "sodomitische" interspezies-Beziehungen genauso vorurteilsbelastet sein würden wie im letzten Jahrhundert homosexuelle Beziehungen in weiten Teilen der westlichen Welt.

Rückwirkend betrachtet war es wie einer dieser platten Star Trek Versuche, Gegenwartsproblematiken in die Zukunft zu transportieren und also nicht besonders schlau: Es ist ja anzunehmen, dass eine transhumane Gesellschaft wesentlich toleranter wäre als unsere gegenwärtige. Eine Beziehung zu einer anderen Spezies würde vermutlich nur dann als unmoralisch angesehen werden, wenn die Partner in dieser Beziehung nicht gleichwertig wären, wenn es gewissermaßen der Missbrauch eines Schutzbefohlenen wäre.

Beispielsweise könnte der Uplift-Prozess (die "Provulotion") noch nicht abgeschlossen sein. Oder der Prozess wäre abgeschlossen, aber das Persönlichkeitspotential der Uplift-Spezies reicht nicht an das eines Menschen heran. Oder es gäbe gelegentlich atavistische Rückfälle der Uplifts, weil ihr Geist (noch) instabil ist.

Hieraus ergibt sich die interessante Möglichkeit, dass Beziehungen zwischen normalen Baseline-Menschen und transhumanen Menschen ebenfalls als unmoralisch angesehen werden könnten, weil die Partner in diesen Beziehungen ebenfalls nicht gleichwertig wären; aufgrund seiner besseren Theory of Mind könnte der Transhumane z.B. seinen menschlichen Partner nach Belieben manipulieren.

Demzufolge gäbe es für Transhumane ggf. andere Rechte und Pflichten als für normale Menschen.

Re: Diversität im RPG

von Minza » Do 4. Jun 2020, 16:59

Wir haben nie versucht, das Thema einfließen zu lassen. Meine Runde ist im Kern 25 Jahre alt und damals als wir mit dem ganzen RPG Zeugs anfingen, hatten wir noch keinen wirklichen Überblick über dieses Thema. Im Grunde bin ich erst Ende des letzten Jahres mit diesem Thema kollidiert und habe mir bewusst gemacht, dass es vielleicht ganz gut wäre, sich auch in dieser Richtung mit dem Spiel auseinander zu setzen.

Als ich es tat, war ich äußerst verwundert:


in meinen ersten DnD Kampagnen war das Geschlechtsverhältnis eh schon äußerst ausgewogen bis hin zu im nicht klassischen Bereich entwickelt: mehr weibliche Charaktere als männliche. Und da bei uns von Anfang an Spieler Heldinnen und Spielerinnen Helden spielten, wenn sie das wollten, hat es da immer mal mehr und mal weniger einen Ausgleich gegeben. Klar gibt es Gruppen, wo plötzlich kein weiblicher Charakter auf der Matte steht, dafür haben wir aber auch große Runden, wo nur eine einzige Figur nen Bart trägt (oder in unserer letzten Ork-Kampagne, wo nur Soldatinnen für die orkische Göttin in die Schlacht zogen) ^^°
In dieser Richtung war ich also schon auf der sicheren Seite. Und da wir überaus gerne fluffen, war Sexualität, Geschlechtsidentität und Vorlieben eh schon immer irgendwie drinnen. Egal ob ein Chummer in Shadowrun ein Bordell besuchte oder zwei Charaktere einen Beziehung in der Kampagne beginnen (und sie eventuell auch wieder beenden). Klar gibts da Gruppen, die solche Aspekte lieber im Dunkeln lassen und nach einer besonderen Runde versteh ich auch sehr gut warum (da war der Spieler, dessen Charakter mein Charakter das Herz gebrochen hat nämlich dann auch wirklich ordentlich pissig), wir hatten halt noch nie eine Gegenstimme oder die Idee, das auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Und wenn ich mir dann anschaue, welche PCs und NPCs bisher so alleine in Emmergens vorkamen, haben wir auch die meisten Punkte abgedeckt: von wehrhaften Kämpferinnen bis hin zu Wirtsleuten mit Down-Syndrom, Transgender, asexuelle Charaktere und welche im autistischen Spektrum. Nie, um eine Liste abzuhaken, sondern eher nach dem Motto "Hey, in Song of Ice and Fire kommt ein Kleinwüchsiger vor... ein NPC mit einer Behinderung wäre doch auch mal eine Idee, das kommt zu selten in solchen Geschichten vor" oder "ich hätte mal Lust, diese oder jene Art von Charakter zu verkörpern". Alles natürlich mit einem Augenmerk auf die Runde und ob sich damit dann auch niemand unwohl fühlt (zB der Spieler im authistischen Spektrum ^^°).
Und klar ist es für viele Fiktionen auch unpassend, verstehe ich vollends. Wenn ich CNQs Laeria oder Mittelerde spiele, ist dann halt eine allzu emanzipierte Frau nicht so häufig und an Behinderungen kommen dann eher Folgen von Unfällen zum Vorschein (rausgeschossenes Auge oder mein Charakter, der beim Kielholen Arm und viel Haut verloren hat). In anderen Welten kann man das aber sehr wohl gut einbinden und da zB mein Homebrew Projekt eh sehr "Muttergöttin-lastig" ist, passt da ein solches Frauenbild in einigen Reichen recht gut rein, während man in anderen schon verfolgt wird, wenn man sich nur ein bisschen "homo" gibt. Kommt immer auf den Umstand an, auf die kulturelle Umgebung, die beschrieben wird.

Zum Thema Hautfarbe: ich beschreibe sie eigentlich nur, wenn sie gerade nicht der Setting-Norm entsprechen. Also wenn ein dunkelhäutiger Charakter im westlich angehauchten Königreich für Aufsehen sorgt oder eben wenn ein blasser Charakter im südlichen Zurul rumstreift und einfach nicht ins Stadtbild passen will. In einem Multi-Kultisetting (zB SW isses dann der Situation zuzuschreiben, ob überhaupt die Erwähnung etwas beiträgt. Und wenn ich mir die Illustrationen meiner Spieler so anschaue, denken sie da eh unglaublich vielseitig und verspielt. Vielleicht zieh ich einfach so liberale Freidenker an, keine Ahnung ^^°

Meine positive Erfahrung mit dem Thema beschränkt sich aber nicht nur auf meine direkten Runden, sondern auch auf meine Arbeit im Kinder- und Jugendbereich, wo junge Spieler jeden Geschlechts und jeder Nationalität sich da einfach ausprobiert und sich da offen geben, wenn es um solche Aspekte geht. Da ist dann schon mal ein 17-jähriger, der sagt, er würde gerne einen Blinden aus der tiefen Wüste spielen, der jetzt keine krassen Mächte aufweist und bei dem die Behinderung einfach nur ein Teil des Gesamtbildes ist...

Re: Diversität im RPG

von Alien » Mi 3. Jun 2020, 14:57

Ethnische Diversität habe ich in meinen Settings gelegentlich eingebaut, sexuelle Diversität eher nicht. Ich bin bei solchen Themen immer ein bisschen im Zweispalt: Ich will in meinem Fantasy-Setting keine utopische Gesellschaft präsentieren, schon gar nicht die Utopie, die im Moment gerade modern ist. Ich will eine Gesellschaft mit Fehlern, Problemen und Vorurteilen.
Auf der anderen Seite hat es schon einen gewissen Reiz, wenn man die allgemein bekannten Vorurteile durch andere ersetzt.

Historische Korrektheit ist für mich in den meisten Fantasy-Settings kein Thema.
In punkto historische Korrektheit stört mich erst einmal die bunte Durchmischung von weit auseinanderliegende Technologiestufen (z.B. Breitschwert bis Rapier) und in zweiter Linie die Kombination von mittelalterlicher Gesellschaft mit Polytheismus.
Solche Details wie die allgemeine Emanzipation bei DSA gehen für mich daneben unter.

Re: Diversität im RPG

von Informat » Di 2. Jun 2020, 20:52

Als Spielleiter würde ich das nicht betonen, als Spieler hab ich da so lange kein Problem mit, wie es einem unterhaltsamen Abenteuer nicht im Weg steht.

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