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Re: Diversität im RPG

Verfasst: So 21. Jun 2020, 20:33
von Fred
Informat hat geschrieben:
So 21. Jun 2020, 13:06
Das wäre dann die Aristokratie für die noch nicht transhumanen Gesellschaftsteile.
Ja, die kognitiven Gräben ließen sich definitionsgemäß nicht leugnen.

Ich würde es auch vermeiden wollen, ein rührseliges "normale Menschen können auch was!"-Gewäsch wie in GATTACA ins Setting aufzunehmen, nur um die Forderung nach Gleichbehandlung zu pseudolegitimieren.

(und ja, ich fand GATTACA gut - aber eben auch rührselig)

Re: Diversität im RPG

Verfasst: Fr 17. Jul 2020, 12:29
von ghoul
Beispiel für unaufdringliches Einflechten von Diversität, wie ich es meine:

Meine Spieler sollten die Meuterer der Bounty fangen (HMS Pandora, 1790-92). Dabei kamen sie natürlich nach Tahiti. Dort stellte sich heraus, dass zwei der Meuterer von den Mahu versteckt gehalten wurden, denen sie beitreten wollten. Die Mahu sind das magisch begabte dritte Geschlecht Tahitis! Die NSC-Mannschaft der Pandora reagierte sehr verunsichert auf diese Begegnung.

Re: Diversität im RPG

Verfasst: So 19. Jul 2020, 22:19
von Fred
ghoul hat geschrieben:
Fr 17. Jul 2020, 12:29
Meine Spieler sollten die Meuterer der Bounty fangen (HMS Pandora, 1790-92). Dabei kamen sie natürlich nach Tahiti. Dort stellte sich heraus, dass zwei der Meuterer von den Mahu versteckt gehalten wurden, denen sie beitreten wollten. Die Mahu sind das magisch begabte dritte Geschlecht Tahitis! Die NSC-Mannschaft der Pandora reagierte sehr verunsichert auf diese Begegnung.
Sehr gute Idee, wie ich finde. Für "nicht-binäre" :P Briten des 18. Jahrhunderts eine gute Möglichkeit und überzeugende Motivation, gesellschaftlichen Einschränkungen zu entkommen.

Von der Existenz der Mahu wusste ich bislang nichts. Ihre historischen Wurzeln sind anscheinend leider nicht in gesellschaftlicher Toleranz begründet, und die frühere Praxis, einfach über den ältestern Sohn zu bestimmen, hat ggf. (je nach individueller Lieblingsideologie) zu psychischen Schäden geführt. Die traditionelle Rollenzuweisung als Hausfrau war vermutlich auch wenig erstrebenswert. Ebenso ist eine gewisse Gefahr des Abdriftens in die Prostitution (ähnlich dem dritten Geschlecht Indiens) gegeben.

Daher finde ich die Idee auch besonders gut, die Mahu als Magiekundige darzustellen, d.h. Hexer/n im ethnologischen Sinne, so dass ihr sozialer Status aufgewertet wird. Oder ist das auch eine historische Sichtweise?

OOT: Das dritte Geschlecht in der SF

Verfasst: Mo 20. Jul 2020, 13:12
von Fred
In einem SF Setting ist das Dritte Gechlecht oft keine kulturelle Definition, sondern biologische Spekulation, um Exotik zu generieren. Bekannte Beispiele sind der "Katalyst" aus Alien Nation und die "Solarians" aus dem Foundation-Zyklus.

In einem meiner Settings handelt es sich dabei um Brüter, welche lediglich die leere Eizelle und damit aber eben auch mitochondriale DNA bereitstellen (eine konvergente Evolution vorausgesetzt).
Eine andere Spezies verfügt über sieben Karyotypen, bei der Paarung erfolgt eine dauerhafte Verschmelzung (das Prinzip der Promiskuität ist unbekannt).

Natürlich lasse ich in meinen Settings die Spieler keine Aliens (oder Uplifts, Bioroiden, Roboter etc.) spielen, um den Sense of Wonder nicht zu zerstören. Trans- und Posthumane menschliche Charaktere sind schon exotisch genug.

Re: Diversität im RPG

Verfasst: Di 21. Jul 2020, 14:54
von ghoul
Fred hat geschrieben:
So 19. Jul 2020, 22:19
Von der Existenz der Mahu wusste ich bislang nichts. Ihre historischen Wurzeln sind anscheinend leider nicht in gesellschaftlicher Toleranz begründet, und die frühere Praxis, einfach über den ältestern Sohn zu bestimmen, hat ggf. (je nach individueller Lieblingsideologie) zu psychischen Schäden geführt. Die traditionelle Rollenzuweisung als Hausfrau war vermutlich auch wenig erstrebenswert. Ebenso ist eine gewisse Gefahr des Abdriftens in die Prostitution (ähnlich dem dritten Geschlecht Indiens) gegeben.

Daher finde ich die Idee auch besonders gut, die Mahu als Magiekundige darzustellen, d.h. Hexer/n im ethnologischen Sinne, so dass ihr sozialer Status aufgewertet wird. Oder ist das auch eine historische Sichtweise?
Ich bin da zufällig drüber gestolpert: https://www.cnn.com/style/article/namsa ... index.html
Das war zu gut, musste ich einfach verwenden. Dem Artikel zufolge sind sie übersinnliches begabt aus Sicht ihrer Kultur.

Die nächste Mission führt in die Karibik, und prompt stolpere ich beim Vorbereiten (ganz ohne Agenda!) über das nächste Genderfluidity-Thema! Ich werde berichten.