Diversität im RPG

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Minza
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Diversität im RPG

Beitrag von Minza »

Wie schaut es bei Euch eigentlich mit Diversität in den einzelnen Kampagnen aus? Angefangen mit den in der Gruppe und vorwiegend bei den NPCs vorkommenden Völkern (wenn es die bespielte Fiktion/Welt/Geschichte dies überhaupt erlaubt) bis hin zur Repräsentation von einzelnen Gruppierungen, Einstellungen oder anderen Aspekten, die in unserer Welt mehr und mehr Beachtung finden...

Schreckt Euch das ab? Gerade weil derzeit ein so großes Augenmerk darauf gelegt wird? Oder weil Ihr solche Ideen im Spiel unsinnig oder störend empfindet?
Oder versucht Ihr bewusst, solche Unterschiede im Spiel zu beleuchten, egal ob nun als Spieler oder als Spielleiter?

Habt Ihr vielleicht sogar schonmal ganz bewusst oder unterbewusst solche Pfade betreten und habt gute oder schlechte Erlebnisse damit gesammelt?

Hier würde ich mich gerne mit Euren Erfahrungen, Meinungen und Ideen auseinandersetzen...
Have fun storming the castle,
Minza

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Sal
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Sal »

In meinen Runden lege ich Wert auf Diversität. Das Thema geht zu weit und würde zu viel Zeit benötigen, um das hier komplett zu behandeln. Daher folgen die gröbsten Punkte aus meiner Erfahrung und Praxis.
Minza hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 11:38
Wie schaut es bei Euch eigentlich mit Diversität in den einzelnen Kampagnen aus?
Es nimmt zu. Eine Schwierigkeit bei dem Thema besteht in meinen Augen darin, dass vieles sich in Verhaltensweisen manifestiert, die man selbst nicht bemerkt - das wenigste betrifft mich direkt. Aber ich merke, nachdem ein Anfang gesetzt wurde, entwickelt es immer besser. Anfänglich muss man bewusst darauf achten, aber allmählich geht es in die Gewohnheit über und ich erschließe neue Themenfelder.

Eine Zufallstabelle für Geschlechter verwende ich mittlerweile regelmäßig unabhängig vom Setting, wenn mir das Abenteuer keines für eine NSC vorgibt: 1w10: 1-4: (cis-)männlich, 5-8: (cis-)weiblich, 9-10: etwas anderes. Im letzten Fall fordere ich mich dann, etwas anderes zu wählen und dabei Abwechslung walten zu lassen.

Mit dem generischen Femininum arbeite ich ebenfalls. Wenn ich mich nicht auf eine konkrete Person beziehe, spreche ich von der weiblichen Form. Auch dadurch verändert sich der Blickwinkel. Bei einer Ansammlung von NSC betone ich gerne die Anwesenheit von Frauen, wenn ich merke, dass in den Köpfen meiner Spielerinnen die Gruppe gerade von Männern dominiert wird.

Sollte es Gründe geben, dass die Sexualität einer NSC wichtig ist, erwarte ich ebenso von mir, kurz darüber nachzudenken. Wenn die Gruppe auf der Straße einer einzelnen Person begegnet und nach dem Weg fragt, spielt es keine Rolle. Wenn sie sich in einem Gasthaus allerdings an der Theke länger unterhält, dann überlege ich schon, ob eine Wirtin und ihr Mann die Unterkunft führen müssen. Dabei wäge ich die letzten NSC ebenfalls ab, damit sich das nicht abnutzt. Insgesamt möchte ich das Bild von Normalität erzeugen. Der Wirt sagt vielleicht ganz natürlich: „Mein Mann zeigt Euch Euer Zimmer“. Der Abend im Gasthaus dreht sich aber definitiv nicht um die Homosexualität des Paars. Es ist im Hintergrund so.

Ein Beispiel dafür, dass solche Absichten wachsen müssen, sind wiederum Hautfarben. Vor ein paar Wochen habe ich die Idee gelesen, bei allen NSCs die Hautfarbe zu beschreiben – auch wenn sie „weiß“. Allerdings habe ich das bislang noch nicht, weil ich daran nie denke. Das zielt darauf ab, die Standardannahme zu relativieren, auf die wir oft genug zurückfallen: Der Gedanke, dass eine NSC weiß sein muss, solange ihre Hautfarbe nicht beschrieben wurde. Von dieser Nennung verspreche ich mir zusätzlich, dass auch in diesem Aspekt mehr Abwechslung und Bewusstsein für Repräsentation und Diversität einfließt.
Minza hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 11:38
Oder versucht Ihr bewusst, solche Unterschiede im Spiel zu beleuchten, egal ob nun als Spieler oder als Spielleiter?
Was meinst Du mit „bewusst beleuchten“?

Wie oben beschrieben, versuche ich die Repräsentation eher subtil darzustellen. Dadurch wird die Welt diverser.

Weniger Subtilität besteht im Bruch von gewissen Klischees, besonders bei Themen rund um Diversität. Das schließt primär reale Merkmale wie Geschlecht, Sexualität und Hautfarben ein, strahlt aber auch auf Fantasy-Völker oder typischen Erwartungen an bestimmte „Klassen“ ab. Seit Längerem bevorzuge ich Grau über Schwarz-Weiß Klischees. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit Diversität gewinnt auch das an Tiefe. Dabei möchte ich mich nicht auf einzelne Merkmale von NSCs beschränken, sondern hier vermehrt mit dem Kontext und Schattierungen arbeiten.

Meine Montagsrunde wurde kürzlich Ziel einer Gruppe Goblin-Jägerinnen, die aus dem Hinterhalt angegriffen haben und flohen, als die Heldinnen sich als überlegen bewiesen hat. Eine zweite Begegnung mit demselben Stamm sah schon ganz anders aus, als sie sich der Siedlung offen genähert hat und nicht als „Beute“ betrachtet wurde. Im Dorf konnte die Gruppe eine Schlägerei beobachten, bei der eine Beteiligte dem Messer ihrer Gegenüber unterlag und der Körper von einem weiteren Goblin mit einer eindeutigen Geste zum Abendessen deklariert wurde. Auf der anderen Seite konnte sie überforderte Goblins erleben, die versucht haben, zwei gesättigte Kinder zum Essen zu animieren – aus Angst, dass diese in ihrer Obhut verhungern und die Menschen deswegen einen Vergeltungsschlag gegen sie führen könnten.

Das Klischee von gewalttätigen Umgangsformen unter den Goblins und eher primitiven Ansätzen bleibt damit erhalten, bekommt aber noch zusätzliche Aspekte.
Minza hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 11:38
Habt Ihr vielleicht sogar schonmal ganz bewusst oder unterbewusst solche Pfade betreten und habt gute oder schlechte Erlebnisse damit gesammelt?
Vielleicht klang das an: Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ein-, zweimal zeigte sich jemand auf eine Art abgeschreckt, durch die klar war, dass ich mit dieser Person meine Freizeit nicht verbringen möchte. Das ist ein verschwindender Anteil. Mein Eindruck besteht eher darin, dass es nicht stört und die Welt auch für meine Spielerinnen lebendiger wird. NSCs gewinnen durch die größere Abwechslung und werden häufiger erwähnt, selbst wenn sie nur einen Abend lang relevant waren. Von betroffenen Personengruppen erhalte ich gelegentlich dezidiert gutes Feedback, dass sie solche Kleinigkeiten zu schätzen wissen. Bei anderen Personen konnte ich schon beobachten, dass sie – ohne dass ich so etwas forciere oder darauf gezielt aus bin – ihre eigenen Erwartungen und Klischees zu überdenken.

Damit ziehe ich für mich ein positives Resümee.

Freue mich auf Eure Erfahrungen.

Liebe Grüße
Sal

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Minza
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Minza »

Sal hat geschrieben:
Mo 1. Jun 2020, 13:08
Was meinst Du mit „bewusst beleuchten“?
Bewusst einen Charakter erstellt, der nicht nur aus Gründen der Geschichte oder des "ich machs mir mal schwerer in der Welt, höhö" eine andere Hautfarbe, ein eher unterrepräsentatiertes Geschlecht bzw Geschlechtsidentität, eine Sexualität außer "hetero" oder eine körperliche oder geistige Behinderung aufweisen... für die man dann halt keine "Punkte" bekommt, weil sie in einem +/- System als Nachteil aufgelistet sind.

Und als Meister dann halt entsprechend das als NPC geformt...

Aber Du hast das schon weiter oben beantwortet, insofern: Danke für deine Worte und ich bin gespannt, was noch so alles kommt, werde dann nach einigen Postings auch mal meine Sicht auf diese Dinge und meine Erfahrungen schildern :)
Have fun storming the castle,
Minza

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Fred
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Fred »

Zunächst mal (wie üblich) Respekt, dass ihr euch Gedanken darüber macht.

Man sollte selbstverständlich nicht paternalistisch sein, bevor es einem geht wie den Demokraten (ist das paternalistisch?).

Im transhumanen Rollenspiel bedeutet Diversität menschliche biologische Rassen (natürliche oder gentechnische Pantropie), Sodomie (Uplifts), Pädophilie (Neotene), Nekrophilie (Necromorphe), Autosexualität (Forks), Xenophilie (Aliens), Digisexualität (KIs) etc. Alles seit langem fester Bestandteil der SF.

Im einem posthumanen Setting (wo die Chars ihren Körper und Geist beliebig verändern können) sind Diversität und Sexualität inhaltslose Begriff wie "Umweltschutz" oder "Arbeitslosigkeit".

Ein mittelalterliches Fantasysetting sollte stimmig angelegt sein. In einem Setting, dass sich an das antike Griechenland oder das feudale Japan anlehnt, sollte z.B. öffentliche Homosexualität gesellschaftlich selbstverständlich sein. In anderen Settings wirkt es hingegen wie ein Anachronismus.

Ein gutes negatives Beispiel ist DSA: Alle NPCs sind selbstverständlich emanzipiert. Aber keinen stört es, in einem Feudalsystem zu leben. WTF?!

Antisoziale Diversität ist ein besonderer Fall für besondere Systeme (z.B. Kult).

Ansonsten gilt m.E.: Interessiert es die Spieler, hat es auch den Meister zu interessieren. Und wenn nicht, dann nicht.
“The vast intellect and understanding of the Titans of Hell far exceed anything VEGA is capable of understanding. Ultimately, his intelligence, like ours, is artificial.”

- DOOM

ghoul-ausgeloggt

Re: Diversität im RPG

Beitrag von ghoul-ausgeloggt »

Ziel des Spielleiters sollte nicht sein, irgendwas pädagogisches zu bewirken, sondern das Setting interessant zu machen. Diversität kann das Setting entsprechend bereichern. Es ist dazu aber nicht notwendig, verkrampft an irgendwelche Themen ranzugehen und sie auf Biegen und Brechen zu forcieren.

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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Informat »

Als Spielleiter würde ich das nicht betonen, als Spieler hab ich da so lange kein Problem mit, wie es einem unterhaltsamen Abenteuer nicht im Weg steht.
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Alien
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Alien »

Ethnische Diversität habe ich in meinen Settings gelegentlich eingebaut, sexuelle Diversität eher nicht. Ich bin bei solchen Themen immer ein bisschen im Zweispalt: Ich will in meinem Fantasy-Setting keine utopische Gesellschaft präsentieren, schon gar nicht die Utopie, die im Moment gerade modern ist. Ich will eine Gesellschaft mit Fehlern, Problemen und Vorurteilen.
Auf der anderen Seite hat es schon einen gewissen Reiz, wenn man die allgemein bekannten Vorurteile durch andere ersetzt.

Historische Korrektheit ist für mich in den meisten Fantasy-Settings kein Thema.
In punkto historische Korrektheit stört mich erst einmal die bunte Durchmischung von weit auseinanderliegende Technologiestufen (z.B. Breitschwert bis Rapier) und in zweiter Linie die Kombination von mittelalterlicher Gesellschaft mit Polytheismus.
Solche Details wie die allgemeine Emanzipation bei DSA gehen für mich daneben unter.

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Minza
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Minza »

Wir haben nie versucht, das Thema einfließen zu lassen. Meine Runde ist im Kern 25 Jahre alt und damals als wir mit dem ganzen RPG Zeugs anfingen, hatten wir noch keinen wirklichen Überblick über dieses Thema. Im Grunde bin ich erst Ende des letzten Jahres mit diesem Thema kollidiert und habe mir bewusst gemacht, dass es vielleicht ganz gut wäre, sich auch in dieser Richtung mit dem Spiel auseinander zu setzen.

Als ich es tat, war ich äußerst verwundert:


in meinen ersten DnD Kampagnen war das Geschlechtsverhältnis eh schon äußerst ausgewogen bis hin zu im nicht klassischen Bereich entwickelt: mehr weibliche Charaktere als männliche. Und da bei uns von Anfang an Spieler Heldinnen und Spielerinnen Helden spielten, wenn sie das wollten, hat es da immer mal mehr und mal weniger einen Ausgleich gegeben. Klar gibt es Gruppen, wo plötzlich kein weiblicher Charakter auf der Matte steht, dafür haben wir aber auch große Runden, wo nur eine einzige Figur nen Bart trägt (oder in unserer letzten Ork-Kampagne, wo nur Soldatinnen für die orkische Göttin in die Schlacht zogen) ^^°
In dieser Richtung war ich also schon auf der sicheren Seite. Und da wir überaus gerne fluffen, war Sexualität, Geschlechtsidentität und Vorlieben eh schon immer irgendwie drinnen. Egal ob ein Chummer in Shadowrun ein Bordell besuchte oder zwei Charaktere einen Beziehung in der Kampagne beginnen (und sie eventuell auch wieder beenden). Klar gibts da Gruppen, die solche Aspekte lieber im Dunkeln lassen und nach einer besonderen Runde versteh ich auch sehr gut warum (da war der Spieler, dessen Charakter mein Charakter das Herz gebrochen hat nämlich dann auch wirklich ordentlich pissig), wir hatten halt noch nie eine Gegenstimme oder die Idee, das auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Und wenn ich mir dann anschaue, welche PCs und NPCs bisher so alleine in Emmergens vorkamen, haben wir auch die meisten Punkte abgedeckt: von wehrhaften Kämpferinnen bis hin zu Wirtsleuten mit Down-Syndrom, Transgender, asexuelle Charaktere und welche im autistischen Spektrum. Nie, um eine Liste abzuhaken, sondern eher nach dem Motto "Hey, in Song of Ice and Fire kommt ein Kleinwüchsiger vor... ein NPC mit einer Behinderung wäre doch auch mal eine Idee, das kommt zu selten in solchen Geschichten vor" oder "ich hätte mal Lust, diese oder jene Art von Charakter zu verkörpern". Alles natürlich mit einem Augenmerk auf die Runde und ob sich damit dann auch niemand unwohl fühlt (zB der Spieler im authistischen Spektrum ^^°).
Und klar ist es für viele Fiktionen auch unpassend, verstehe ich vollends. Wenn ich CNQs Laeria oder Mittelerde spiele, ist dann halt eine allzu emanzipierte Frau nicht so häufig und an Behinderungen kommen dann eher Folgen von Unfällen zum Vorschein (rausgeschossenes Auge oder mein Charakter, der beim Kielholen Arm und viel Haut verloren hat). In anderen Welten kann man das aber sehr wohl gut einbinden und da zB mein Homebrew Projekt eh sehr "Muttergöttin-lastig" ist, passt da ein solches Frauenbild in einigen Reichen recht gut rein, während man in anderen schon verfolgt wird, wenn man sich nur ein bisschen "homo" gibt. Kommt immer auf den Umstand an, auf die kulturelle Umgebung, die beschrieben wird.

Zum Thema Hautfarbe: ich beschreibe sie eigentlich nur, wenn sie gerade nicht der Setting-Norm entsprechen. Also wenn ein dunkelhäutiger Charakter im westlich angehauchten Königreich für Aufsehen sorgt oder eben wenn ein blasser Charakter im südlichen Zurul rumstreift und einfach nicht ins Stadtbild passen will. In einem Multi-Kultisetting (zB SW isses dann der Situation zuzuschreiben, ob überhaupt die Erwähnung etwas beiträgt. Und wenn ich mir die Illustrationen meiner Spieler so anschaue, denken sie da eh unglaublich vielseitig und verspielt. Vielleicht zieh ich einfach so liberale Freidenker an, keine Ahnung ^^°

Meine positive Erfahrung mit dem Thema beschränkt sich aber nicht nur auf meine direkten Runden, sondern auch auf meine Arbeit im Kinder- und Jugendbereich, wo junge Spieler jeden Geschlechts und jeder Nationalität sich da einfach ausprobiert und sich da offen geben, wenn es um solche Aspekte geht. Da ist dann schon mal ein 17-jähriger, der sagt, er würde gerne einen Blinden aus der tiefen Wüste spielen, der jetzt keine krassen Mächte aufweist und bei dem die Behinderung einfach nur ein Teil des Gesamtbildes ist...
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Fred
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Fred »

Als ich mal Transhuman Space geleitet habe (ich weiß nicht mehr ob nach den umständlichen GURPS Regeln oder nach Storyteller), hatte ich mir einen NPC ausgedacht, der wegen seiner geheimgehaltenen Beziehung zu einem sapienten Uplift-Delphin erpressbar war.

Naiverweise ging ich damals davon aus, dass in der Zukunft möglicherweise "sodomitische" interspezies-Beziehungen genauso vorurteilsbelastet sein würden wie im letzten Jahrhundert homosexuelle Beziehungen in weiten Teilen der westlichen Welt.

Rückwirkend betrachtet war es wie einer dieser platten Star Trek Versuche, Gegenwartsproblematiken in die Zukunft zu transportieren und also nicht besonders schlau: Es ist ja anzunehmen, dass eine transhumane Gesellschaft wesentlich toleranter wäre als unsere gegenwärtige. Eine Beziehung zu einer anderen Spezies würde vermutlich nur dann als unmoralisch angesehen werden, wenn die Partner in dieser Beziehung nicht gleichwertig wären, wenn es gewissermaßen der Missbrauch eines Schutzbefohlenen wäre.

Beispielsweise könnte der Uplift-Prozess (die "Provulotion") noch nicht abgeschlossen sein. Oder der Prozess wäre abgeschlossen, aber das Persönlichkeitspotential der Uplift-Spezies reicht nicht an das eines Menschen heran. Oder es gäbe gelegentlich atavistische Rückfälle der Uplifts, weil ihr Geist (noch) instabil ist.

Hieraus ergibt sich die interessante Möglichkeit, dass Beziehungen zwischen normalen Baseline-Menschen und transhumanen Menschen ebenfalls als unmoralisch angesehen werden könnten, weil die Partner in diesen Beziehungen ebenfalls nicht gleichwertig wären; aufgrund seiner besseren Theory of Mind könnte der Transhumane z.B. seinen menschlichen Partner nach Belieben manipulieren.

Demzufolge gäbe es für Transhumane ggf. andere Rechte und Pflichten als für normale Menschen.
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Re: Diversität im RPG

Beitrag von Informat »

Fred hat geschrieben:
Sa 20. Jun 2020, 19:26
Demzufolge gäbe es für Transhumane ggf. andere Rechte und Pflichten als für normale Menschen.
Das wäre dann die Aristokratie für die noch nicht transhumanen Gesellschaftsteile.
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