GeneFunk 2090

Rezensionen zu Systemen
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Fred
Storm Giant
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GeneFunk 2090

Beitrag von Fred »

Ein relativ neues transhumanes Postcyberpunk-RPG, gewissermaßen ein zeitgemäßes Cyberpunk System. Den relativ umfangreichen Hintergrund ohne vollständige Regeln dazu gibt’s gratis bei DriveThru. Meiner Ansicht nach kann man aber die fehlenden Regeln locker aus dem Ärmel ziehen.

Das Setting liegt technologiemäßig größtenteils knapp vor Transhuman Space. Noch keine Erschließung des Sonnensystems, scheinbar noch keine AGIs oder sapiente Uplifts. Mir gefällt gut, wie extrapoliert wurde. Die Megacorps sind Fusionen real existierender Firmen, Weltwährung ist der Satoshi. Eine Art internationales SDI verhindert Kriege. Die soziale Ungleichheit ist groß, aber die absolute Armut gering, weshalb die Kriminalitätsrate hoch ist (klingt jetzt nicht so überzeugend). Megacorps entstanden aufgrund der Aufhebung von Kartellgesetzen, um die Weltwirtschaft nach einer Pandemie anzukurbeln. Megacorps beeinflussen Politik durch Lobbyismus und Standortverlagerungen.

Megacorps führen wie üblich auch Corporation Wars, das finde ich nicht so gut (die Macht liegt schließlich nach wie vor bei der Exekutiven). Die Spieler sind wie üblich Megacorp-Auftragsagenten. Die Gruppe verfügt über ein Rating in einem Söldner-Reputationsnetzwerk, was eine gute Idee ist.

Besonders gut und viel besser als bei Transhuman Space und Eclipse Phase finde ich die detaillierten Schilderungen darüber, wie genau sich SF Tech im Alltag auswirkt: AR, VR, personal AI, Teleoperation, Gentechnologie, Mind Upload, BCI, Robotik etc.
Anstelle von bionischen neurotech-BCIs gibt es ein CNT-Nanomyceleum, das u.a. auch das Genom des Wirts für DNA-Computing verwendet. Gute Idee, die ich gleich geklaut habe.

Der Autor versteht etwas von Molekularbiologie, hält sich aber leider zurück. Die Charakterklassen sind transgene Templates, was ich nur teilweise gelungen finde, weil’s in dieser Extremform kitschig ist (es gibt z.B. ein genetisches Template für Detektive). Transgene wurden für bestimmte Zwecke geschaffen. Es gibt Vorurteile gegenüber Transgenen, die oft segregiert werden. Deren Nachkommen haben zufällige Merkmale, die man auswürfeln kann.

PCs können „Hacks“ vornehmen, das sind bestimmte Feats im Bereich Gentech, Informatik , Ingenieurswesen etc. Es gibt umfangreiche Listen dieser Hacks. Sehr nützlich, damit die Spieler sehen, was sie in dieser SF Welt alles können. Den Mechanismus dafür finde ich aber nicht so gut. M.E. wäre es besser gewesen, diese Hacks direkt den einzelnen Skills zuzuordnen (vielleicht habe ich auch nicht genau genug gelesen).

Es lohnt sich auf alle Fälle, einen Blick hineineinzuwerfen, denke ich.
“The vast intellect and understanding of the Titans of Hell far exceed anything VEGA is capable of understanding. Ultimately, his intelligence, like ours, is artificial.”

- DOOM

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Fred
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Re: GeneFunk 2090

Beitrag von Fred »

Fred hat geschrieben:
Fr 15. Nov 2019, 15:05
Megacorps beeinflussen Politik durch Lobbyismus und Standortverlagerungen.
Lese gerade "Democracy and Prosperity" von Iversen und Soskice. Die Autoren behaupten, dass auch in der Knowledge Economy multinationale Konzerne in "advanced countries" aus bestimmten Gründen immobil sind.

Standortverlagerungsandrohungen wären also demzufolge meist nicht besonders wirksam.

Tatsächlich fallen mir keine vernünftigen Wege ein, auf denen Konzerne in der Ersten Welt ("Advanced Capitalist Democracies") übermäßigen politischen Einfluss gewinnen könnten; Settings mit dieser Prämisse sind offenbar nicht besonders durchdacht.
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Fred
Storm Giant
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Re: GeneFunk 2090

Beitrag von Fred »

Fred hat geschrieben:
Fr 15. Nov 2019, 15:05
Megacorps entstanden aufgrund der Aufhebung von Kartellgesetzen, um die Weltwirtschaft nach einer Pandemie anzukurbeln.
Dass eine Pandemie zu einer weltweiten Rezession führen kann, ist in der Tat nicht abzustreiten.
Inwieweit jedoch könnte es helfen, dass der Staat damit aufhört, den Wettbewerb künstlich zu forcieren? Meinungen hierzu? Plausibel? Quatsch? Möglich?
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Fred
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Re: GeneFunk 2090

Beitrag von Fred »

Fred hat geschrieben:
Mo 16. Mär 2020, 02:05
Fred hat geschrieben:
Fr 15. Nov 2019, 15:05
Megacorps entstanden aufgrund der Aufhebung von Kartellgesetzen, um die Weltwirtschaft nach einer Pandemie anzukurbeln.
Dass eine Pandemie zu einer weltweiten Rezession führen kann, ist in der Tat nicht abzustreiten.
Inwieweit jedoch könnte es helfen, dass der Staat damit aufhört, den Wettbewerb künstlich zu forcieren? Meinungen hierzu? Plausibel? Quatsch? Möglich?
Hier haben wir die Antwort:

Altmaier will Kartellrecht lockern

Faszinierend, nicht wahr?
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